Egal, ob private Feier, Firmenevent, beim Sport oder im Berufsalltag, das Thema der Versorgung der Eltern ist gerade überall Gesprächsthema. Als 50-jährige ist man von Babyboomern umgeben und ist Teil dieser zahlenmäßig größten Alterskohorte. So ist es nicht verwunderlich, dass sich die Geschichten über die mittlerweile betagten Eltern doch oft ähneln.

Wenn die Menschen hören, dass ich mich beruflich mit dem Thema Wohnen im Alter beschäftige, fragen sie interessiert nach und erzählen mir ihre persönlichen Geschichten. „Ach, so was machst Du? Das hätte ich mal vorher wissen müssen, dass es da professionelle Hilfe gibt!“ bekomme ich dann zu hören. Denn oft handeln die Geschichten auch von Überforderung.

Wenn Veränderungen anstehen

Vorsorge für das Leben und Wohnen im Alter betreibt man auch in offenen Gesprächen miteinander. Bildquelle: shutterstock.com
Vorsorge für das Leben und Wohnen im Alter betreibt man auch in offenen Gesprächen miteinander. Bildquelle: shutterstock.com
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Beim Wiedersehen einer Schulfreundin hörte ich: „Wir haben mein Elternhaus verkauft. Meine Eltern ziehen demnächst um, es ging einfach nicht mehr zuhause.“ Sie hatten eine Wohnung in ihrer Nähe gefunden, in die die Eltern nun einziehen werden. Dazu werden sie nicht nur ihr großes Einfamilienhaus aufgeben, sondern auch die Heimat verlassen und 200 Kilometer weit weg zu der Tochter ziehen. Ein mutiger Schritt, mit Ende 70 noch einmal komplett neu zu beginnen.

Einige Tage später bei einer Tagung hörte ich eine fast identische Geschichte. Die Geschwister waren alle angereist, um zusammen ihre Eltern zu unterstützen. Allerdings wollten deren Eltern im gewohnten Umfeld bleiben und hatten sich daher eine Wohnung gesucht. Die Kinder halfen das Haus zu entrümpeln und unterstützten bei den Umzugsvorbereitungen. Angebote für Umzug, Küche und Handwerkerleistungen galt es einzuholen. Zudem galt es den Eltern Mut zuzusprechen, sie in der Entscheidung zu bestärken und immer wieder aufkommende Zweifel auszuräumen.

Vorsorge, wann und wie?

In der Regel kommen die Dinge, die es bei Veränderungsprozessen zu regeln gilt, geballt und Angehörige kommen schnell an ihre Belastungsgrenze. Denn immer noch „müssen“ die meisten Eltern umziehen. Es gibt in der Regel eine Initialzündung für die Veränderung wie Krankheit, Pflegebedürftigkeit oder der Tod eines Elternteils.

"Mama, Papa, lasst uns reden!" - die wichtige Botschaft von unserer Expertin Sabine van Waasen. Bildquelle: shutterstock.com
“Mama, Papa, lasst uns reden!” – die wichtige Botschaft von unserer Expertin Sabine van Waasen. Bildquelle: shutterstock.com

In unserem hektischen Alltag, angefüllt mit beruflichen Herausforderungen, den flügge werdenden Kindern und den eigenen Sorgen und Nöten, werden die Gedanken an die Versorgung der Eltern in die hinterste Ecke des Herzens verbannt. Das schlechte Gewissen meldet sich ab und an, aber so lange die Eltern noch fit sind und ihr gewohntes Leben führen, wird das Thema vom Alltag verdrängt. Man ist froh, wenn sie noch alles alleine meistern. Insgeheim weiß man aber auch, dass sich der Zustand schnell ändern kann. Wider besseren Wissens geht man das Thema Vorsorge nicht an. Wie viele von uns haben selbst noch kein Testament und keine Vorsorgevollmacht. Immerhin hat das Thema überhaupt nichts mit dem Alter zu tun.

Wir sind die sogenannte Sandwich-Generation, die sich einerseits um die Eltern kümmert aber auf der anderen Seite noch die eigenen Kinder versorgt. Heutzutage kommt zudem die eigene Berufstätigkeit hinzu. So ist es eine logistische Meisterleistung, vor allem der Frauen, dieses „kleine Familienunternehmen“ zu führen. Man fürchtet insgeheim den Tag, an dem sich die Rolle von Kindern und Eltern umkehrt.

Natürlich gibt es auch die Mittsiebziger, die super fit sind, Golf spielen, um die Welt jetten, sich als Granny- Au-pair verpflichten oder sogar noch berufstätig sind. Immer mehr Menschen wollen ihre Zukunft selbstbestimmt gestalten, wollen den eigenen Kindern nicht zur Last fallen und stellen sich der Frage nach dem Wohnen und Leben im Alter. Mehr und mehr organisieren sich die Menschen 60plus in Wohngemeinschaften, Wohngruppen oder denken über eine barrierefreie Wohnungsanpassung nach. Aber das ist immer noch die Ausnahme, nicht die Regel.

Nur Mut

Sabine van Waasen begleitet Sie mit ihrer Beratung behutsam und mit viel Einfühlungsvermögen bei anstehenden räumlichen Veränderungen. Bildquelle: Sabine van Waasen
Sabine van Waasen begleitet Sie mit ihrer Beratung behutsam und mit viel Einfühlungsvermögen bei anstehenden räumlichen Veränderungen. Bildquelle: Sabine van Waasen

Ich plädiere dafür, das Thema in der Familie anzusprechen. Vor allem, wenn die Eltern von sich aus wenig Interesse zeigen, sich mit dem Vorsorgethema auseinanderzusetzen. Mir berichten in Beratungssituationen die Kinder immer wieder vom „Altersstarrsinn“ ihrer Eltern, die keine Veränderung wollen und die gut gemeinten Ratschläge der Kinder abwehren. Letztendlich muss ich Ihnen dann sagen, dass die Eltern schließlich ein Selbstbestimmungsrecht und die Verantwortung für das eigene Leben haben. Hier gilt es in der Beratung zwischen den Generationen und deren Ängsten, Sorgen und Bedarfen zu vermitteln.

Wichtig ist es überhaupt ins Gespräch zu kommen und unbequeme Themen nicht auszuklammern. Folgende Fragen sollten unbedingt in der Familie besprochen werden: „Wie und wo wollt ihr im Alter leben?“, „Welche Vorsorgemaßnahmen habt ihr bereits getroffen?“ und „Wer soll euch im Pflegefall unterstützen?“.

“Mama, Papa, lasst uns mal reden!“ steht hier als Aufforderung zu diesem so wichtigen Gespräch. Ich wünsche Ihnen den Mut die Dinge anzugehen und ein offenes und konstruktives Miteinander in der Familie.

Herzlichst

Ihre Sabine van Waasen

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