Hand aufs Herz: Wer hat nicht schon davon geträumt, morgens im eigenen Bett aufzuwachen und noch vor dem Frühstück eine Runde im Meer zu schwimmen? Gemütlich zu wohnen und trotzdem in fünf Minuten mit dem Putzen fertig zu sein? Dieser Traum kann Wirklichkeit werden. Die Lösung ist ein winziges Häuschen auf Rädern.

Amerikanische Senioren machen uns vor, dass ein überschaubares Vermögen zur Erfüllung dieses Wunsches reicht. Tiny Houses on Wheels, also Minihäuschen auf Rädern, sind Trend im Land der riesigen Anwesen. Doch auch hierzulande wird Klein-Klein immer beliebter, insbesondere bei älteren Menschen.

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Ein Tiny House (sprich taini Haus) steht für Lebenslust und die Freude an Freiheit und Ungebundenheit. Wer sich ein solches Häuschen zulegt, will sich nicht durch Wohnraumkauf in finanzielle Abhängigkeit begeben. Auch die Unterhaltskosten für eine zu große Immobilie können ein Vermögen auffressen. Downsizing heißt das neue Zauberwort, es steht für Verkleinerung.

Aussortieren und schon zu Lebzeiten entscheiden wer was bekommen soll, hilft sehr bei einer anstehenden Wohnungsverkleinerung. Bildquelle: shutterstock.com
Aussortieren und schon zu Lebzeiten entscheiden wer was bekommen soll, hilft sehr bei einer anstehenden Wohnungsverkleinerung. Bildquelle: shutterstock.com

Minimalismus und Ökologie Hand in Hand

Den Hausstand reduzieren, Ballast abwerfen, überschaubar wohnen – einfacheres Leben ist für viele Menschen eine Erleichterung. Und räumt Zeit frei für Dinge, die man schon lange einmal tun wollte. Die Idee, aus der Konsumgesellschaft auszusteigen und dafür selbstbestimmt zu leben, spielt für Tiny-House-Bewohner eine wichtige Rolle.

Die winzigen Häuschen können – sofern der Eigentümer es will – autark sein, also ohne externe Strom- oder Gaszuleitung auskommen. Unbestritten auch, dass wenig Energie benötigt wird, um solch ein Tiny House zu beheizen. Erst recht, wenn es in einer warmen Region steht. Das schont nicht nur den Geldbeutel, sondern tut auch dem Körper und der Seele gut.

Was unterscheidet ein Tiny House von einem Wohnwagen?

Die Inneneinrichtung eines Tiny House ist vor allem gemütlich und erst in zweiter Linie funktional. Viele Hersteller legen Wert auf ökologische Bau- und Dämmstoffe. Die winzigen Häuser sind aus Holz gebaut und auch innen mit Holz verkleidet. So duftet es im Idealfall in einem Tiny House nach Holz, nicht nach Kunststoff.

Natürlich verfügen die Häuschen über eine ordentliche Küche – auf Wunsch auch mit Waschmaschine – und ein bequemes Bad. Außerdem ist genügend Raum für einen Sitzplatz. Häufig gibt es eine überdachte Veranda im Eingangsbereich, manchmal ausziehbare Erker und Kellerkästen für die Haustechnik.

Gemütlichkeit hat in den Tiny Houses einen ebenso hohen Stellenwert wie Funktionalität. Bildquelle: shutterstock.com
Gemütlichkeit hat in den Tiny Houses einen ebenso hohen Stellenwert wie Funktionalität. Bildquelle: shutterstock.com

In einigen Modellen ist der Schlafbereich auf einer zweiten Ebene untergebracht, die keine Stehhöhe bietet und über eine Leiter oder ähnliche Vorrichtungen erreichbar ist. Diese Lösung ist nicht empfehlenswert für die Generation 59plus. Aber es geht auch seniorenfreundlich.

Manche Hersteller schwören auf solide Holzbetten, die für mehr Bewegungsfreiheit einfach hochgeklappt werden können. Unsere Lieblingslösung ist allerdings das bequeme Doppelbett mit Aussicht, das sich tagsüber mit Kissen schnell in ein gemütliches Sofa verwandeln lässt.

Alles eine Frage des Lieblingsstils

Von skandinavisch schlicht mit großzügigem und modernem Bad bis rustikal-alpin mit offenem Kamin – alles ist möglich. Wer sein Tiny House nicht selbst an einen anderen Ort transportieren möchte, kann auch zum 10-Meter-Mobilheim mit Sauna und großzügigem Wohnzimmer greifen.

Genauso vielfältig wie das Angebot sind auch die Bezeichnungen, die alleine für winzige Häuschen auf Rädern durch die Landschaft schwirren: Schäferwagen, Zirkuswagen, Holzwohnwagen, Mobilhome aus Holz, mobiles Minihaus, Wohnwagon – mit kleinen Abweichungen stehen all diese Begriffe für Tiny Houses on Wheels. Der Markt ist genauso riesig wie die Preisspanne. Versierte Handwerker kommen am günstigsten zum eigenen Tiny House, wenn sie sich für einen Bausatz entscheiden oder nur einen detaillierten Bauplan kaufen.

Mit dem Häuschen auf die Straße?

"Tiny Houses" sind ein Wohntrend in den USA und könnten sicherlich auch hier bald sehr populär werden. Bildquelle: shutterstock.com
“Tiny Houses” sind ein Wohntrend in den USA und könnten sicherlich auch hier bald sehr populär werden. Bildquelle: shutterstock.com

In der Regel sind die Winzlinge auf Rädern zwischen vier und acht Metern lang und 2,5 Meter breit. Sie verfügen meist über ein Fahrgestell, das bis 3,5 Tonnen zugelassen ist. Winterfeste Außenverkleidungen und Isolierungen sind möglich. Die Hersteller liefern üblicherweise mit Statik für die Baubehörde und Straßenzulassung.

Wenn der Wohnanhänger eine Straßenzulassung hat, kann er mithilfe eines entsprechend starken Autos bewegt werden. Was den Führerschein angeht, sind die älteren Semester klar im Vorteil: Inhaber der alten Klasse 3 dürfen größere Gespanne fahren. Trotzdem ist es empfehlenswert, die Einhaltung aller Vorschriften genau zu überprüfen und die eigenen fahrerischen Fähigkeiten kritisch zu hinterfragen.

Wo darf ein Mini-Haus stehen?

Generell kommen als Stellplätze für bewegliche Minihäuschen beispielsweise Hinterhöfe in der Stadt, Campingplätze, Ferienhausgebiete, Gartenanlagen, Pachtgrundstücke oder das eigene Grundstück in Frage.

Nun kommt das Aber: Bekanntermaßen ist in Deutschland fast alles geregelt. Die Möglichkeiten, ein Tiny House auf- oder abzustellen, zählen auf jeden Fall dazu. Im Baurecht spielt es eine untergeordnete Rolle, ob das Häuschen Räder hat oder nicht. Es kommt in erster Linie auf die Art der Nutzung an. Die jeweilige Landesbauordnung beziehungsweise die Baubehörde geben Auskunft darüber, ob und wo Mini-Häuser genehmigungsfrei oder sogar verfahrensfrei aufgestellt werden dürfen.

Der richtige Stellplatz will gut ausgesucht sein und man sollte sich im Vorfeld dazu genau informieren. Bildquelle: shutterstock.com
Der richtige Stellplatz will gut ausgesucht sein und man sollte sich im Vorfeld dazu genau informieren. Bildquelle: shutterstock.com

Wissenswert: Auch Wohnwagen und Mobilheime dürfen in Deutschland nur auf dafür ausgewiesenen Flächen stehen. Auf einem Freizeitgrundstück ist die Aufstellung eines Wohnwagens ebenfalls nicht unbedingt erlaubt. In Kleingartenanlagen gelten häufig unterschiedliche Beschränkungen für die Größe. Und selbst auf Campingplätzen, die Dauerstellplätze anbieten, ist es nicht automatisch erlaubt, dauerhaft zu wohnen.

Der Gang zur zuständigen Behörde bleibt dem Besitzer eines Tiny Houses also nicht erspart. Wer darüber nachdenkt, sich wohnlich zu verkleinern, sollte sich vor dem Kauf über die geplante Nutzung klar werden und auch schon über einen Stellplatz nachdenken.

Hilfreich: Detaillierte Informationen zu allen Themen rund um Bau- und Stellplatzgenehmigung, Straßenverkehrszulassung und Versicherung finden sich auf dieser Webseite.

Was noch zu bedenken ist

Die Entscheidung, in ein Mini-Haus umzuziehen, bringt für die meisten Menschen weitreichende Folgen mit sich. Nicht jeder ist bereit, sich von seinem Hab und Gut zu trennen und dauerhaft auf engstem Raum zu leben. Eine Möglichkeit, das ins Auge gefasste neue Leben unverbindlich auszuprobieren, wäre ein längerer Urlaub in einem Tiny House. Erst wenn Sie festgestellt haben, dass Sie sich auf minimaler Fläche tatsächlich für einen längeren Zeitraum wohlfühlen können, sollten Sie die nächsten Schritte planen.

Wer sich nicht endgültig entscheiden will, nutzt vielleicht die Wintermonate, um mit seinem Tiny-House in wärmere Gefilde zu ziehen. Und im Sommer an die Nord- oder Ostsee. Oder ins frische Skandinavien. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt.

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