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Nacken- und Rückenschmerzen betreffen bei Weitem nicht nur die Generation 59plus. Immer häufiger leiden auch jüngere Menschen unter üblen Verspannungen und den damit einhergehenden Schmerzen, da die Haltung am Büroarbeitsplatz oder in der Freizeit mit dem Smartphone vor dem Gesicht deutlich auf die Muskulatur geht. Bei älteren Menschen sind die Gründe oft divers. Schäden aus der Vergangenheit führen zu Schonhaltungen, mit dem Alter kommen neue körperliche Baustellen auf und einige Personen müssen gar die Schmerzen ertragen, um sicher laufen zu können. Das Gehen mit Gehilfen oder Rollatoren kann auf Dauer zu lästigen Verspannungen und Schmerzen im Rücken-, Schulter- und Nackenbereich führen. Aber dagegen muss man doch etwas unternehmen können? Dieser Artikel schau sich einige Lösungsansätze an.

Mögliche Ursachen für die Schmerzen

In den meisten Fällen lassen sich die Ursachen für Rücken- und Nackenschmerzen in fast jedem Alter in der Haltung finden. Hier kann sich jeder selbst beobachten. Anstatt mit einem gerade durchgestreckten Rücken zu stehen, sitzen und zu arbeiten, wird der Rücken gebeugt. Dabei werden die Schultern nach vorne-oben gezogen und der Kopf mit dem Kinn voraus vorgestreckt. Diese Fehlhaltung wird von Experten gerne »Schildkrötenhaltung« genannt. Problematisch ist, dass sie sich überall einnehmen lässt:

  • Arbeit/Hausarbeit – gerade Personen, die früher einmal am Schreibtisch arbeiteten oder es heute immer noch tun, finden diese verkehrte Haltung oft bequem. Das Problem ist, dass sie sich so im Haltungsmuster verfestigt, dass sie auch ins Privatleben hineingetragen wird. Mit einem Mal wird das Gemüse am Küchentisch sitzend in der Haltung geschnitten, die Zeitung lässt sich so auch ganz komfortabel lesen – und selbst das Essen funktioniert mühelos in der Haltung.
  • Gehen – Schultern nach oben-vorne, Kinn nach vorn gestreckt und der Rücken gebeugt – ein Großteil der älteren Menschen nutzt diese Haltung beim täglichen Gehen.
  • Gehilfe – wird ein Rollator zum Laufen größerer Strecken genutzt, verstärkt sich das Problem beim Gehen mitunter noch. Vielfach sind die Griffe der Gehilfe zu tief eingestellt oder lassen sich nicht besser einstellen. Um einen Teil des Gewichts auf die Hilfe zu verlagern und einen festen Stand zu erhalten, müssen sich Betroffene genau in die Schildkrötenhaltung begeben.
Eine schlechte Haltung ist nicht selten verantwortlich für Probleme im Nacken- und Schulterbereich. Bildquelle: © Kira auf der Heide / Unsplash.com
Eine schlechte Haltung ist nicht selten verantwortlich für Probleme im Nacken- und Schulterbereich. Bildquelle: © Kira auf der Heide / Unsplash.com

Schlechte Haltung vermeiden

Aus dieser für den Körper ungeeigneten Haltung ergeben sich mit der Zeit Verspannungen, die sich in Rücken-, Nacken- und Schulterschmerzen erkennbar zeigen. Bei sehr schweren Verspannungen sind die Muskelstränge im Nacken- und Schulterbereich so hart und verklebt, dass sie sich kaum noch eindrücken lassen. Doch es ergeben sich mitunter weitere Probleme:

  • Schwindel – sind die Muskeln im Nackenbereich massiv verspannt, können sie auf Nerven und Blutgefäße drücken. In der Folge leiden Betroffene unter Kopfschmerzen oder auch Schwindel.
  • Benommenheit – hier gelten dieselben Voraussetzungen, aber es kann zusätzlich der Atlaswirbel im Nackenbereich verschoben sein. Betroffene fühlen sich dauerhaft benommen. Das Gefühl ist vergleichbar mit einem stärkeren Schwips – nur, dass kein Alkohol im Spiel ist.
  • Sehstörungen – werden Nerven und Blutgefäße von den Verspannungen abgeklemmt, treten auch Sehstörungen auf.
  • Taubheit – die Schultermuskeln können auf verschiedene Nerven drücken. So können Schmerzen und Taubheit in Arme, aber auch in Rückenbereiche ausstrahlen. Selbst das Atmen kann durch die Verspannung schwerfallen.

Die Schmerzen müssen übrigens nicht immer mit den Verspannungen auftreten. Einige Betroffene leiden an den Nebenfolgen, ohne jedoch echte Rücken- oder Nackenschmerzen zu haben.

Ansätze gegen die Schmerzen

Fakt ist: Schmerzen sind immer ein Warnsignal des Körpers. Treten Nacken-, Rücken- und/oder Schulterschmerzen regelmäßig oder länger auf, sollte immer ein Arzt konsultiert werden. Gerade im höheren Alter können auch Arthrosen Ursache des Übels sein. Unbehandelt führen diese übrigens auch zu Verspannungen und somit zu weiteren Problemen. Ansonsten gilt:

  • Wärme – im ersten Schritt ist Wärme das beste Rezept. Ein heißes Wannenbad ist dabei jedoch nur bedingt geeignet, da die meisten heimischen Wannen so konzipiert sind, dass nur in gekrümmter Haltung bis zum Hals ins Wasser eingetaucht werden kann. Sinnvoller sind Wärmekissen, wie Kirschkernkissen. Bei ihnen kann ein wenig mit deren Form und Größe herumgespielt werden: Sitzen die Verspannungen eher im seitlichen Nacken- und Schulterbereich, eignet sich die U-Form eines Nackenkissens. Sind die Probleme im Rücken oder plan auf dem Nacken, ist ein normales Kissen perfekt.
  • Shiatsu-Massagen/Massagematten – konsultieren Sie immer einen Arzt vor einer Massage – egal ob medizinisch oder privat. Sieht dieser kein Problem, kann es losgehen. Doch Vorsicht: Nach einer guten Massage fühlen sich die meisten, als seien sie unter den Lastwagen geraten. Für den Hausgebrauch eignen sich Shiatsu-Massagematten. Diese sind mit Strom betrieben und liegen auf dem Boden, aber auch auf dem Bett oder der Couch. Vor dem Kauf sollte man sich verschiedene Angebote anschauen und auf Basis dieser Informationen seine Auswahl treffen.
  • Bewegung – die richtige Bewegung ist immer gut bei Rücken- und Nackenschmerzen, die aus Verspannungen resultieren. Schwimmen, aber auch Qigong und Taishi können dauerhaft Linderung bringen.
  • Achtsamkeit – zudem sollten Betroffene versuchen, nicht stets in die falsche Haltung zurückzufinden. Das ist oft schwerer, als es sich anhört. Wer insbesondere beim Sitzen Probleme hat, der kann mit Gymnastikbällen oder speziellen Wackel-Stuhlauflagen arbeiten. Die Auflagen erlauben es nicht, ständig in einer Position zu bleiben.
Mobilität ist der beste Schutz gegen Nacken- und Rückenschmerzen. Bildquelle: © Amy Humphries / Unsplash.com
Mobilität ist der beste Schutz gegen Nacken- und Rückenschmerzen. Bildquelle: © Amy Humphries / Unsplash.com

Weitere Tipps zur Vorbeugung

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Wer auf einen Rollator oder Stock angewiesen ist, der sollte die Einstellung der Gehilfe überprüfen lassen. Gerade bei Rollatoren kann es schon einen gewaltigen Unterschied machen, wenn die Griffe ein wenig höher eingestellt werden. Tauschen Sie einen gewöhnlichen Stock, sofern sie ihn mit Gewicht beanspruchen, lieber gegen eine Krücke oder ein Stock mit Unterarmstütze aus. Durch die Anlehnung am Unterarm ist weniger Muskelkraft notwendig, um den Stock standsicher zu halten.

Kommen Rücken- oder Nackenschmerzen von Verspannungen, die schon längere Zeit bestehen, ist es nicht einfach, sie loszuwerden. Menschen kompensieren Schwachstellen sehr einfach und gewöhnen sich fix Fehlhaltungen an, die umso schwerer wieder abzugewöhnen sind.

Fazit – ungefährlich, doch störend

Nacken- und Rückenschmerzen, ob mit Schulterbeteiligung oder nicht, sind in der Regel ungefährlich. Was nicht bedeutet, dass diese Verspannungen nicht lästig sind. Mit Geduld, Bewegung, einer Haltungsänderung, Massagen und Wärme lassen sich die Schwierigkeiten aber in den Griff bekommen. Die Behebung erfordert jedoch Zeit. Eine einmal eingenommene Schon-/Fehlhaltung ist schwieriger zu entlernen, als sie sich anzueignen.

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