In den ersten beiden Teilen unserer Reihe zu alternativen Wohnformen im Alter schauten wir uns ein Seniorendorf an sowie das Zusammenleben von Senioren und Studierenden. In diesem Beitrag widmen wir uns weiteren Varianten des generationenübergreifenden Zusammenlebens. Das klassische Beispiel ist die Großfamilie unter einem Dach, die in unserer mobiler werdenden Berufswelt die Ausnahme bleibt.

Familienstrukturen haben sich im Laufe der Zeit verändert und dadurch auch die Wohnsituation im Alter. Bildquelle: shutterstock.com
Familienstrukturen haben sich im Laufe der Zeit verändert und dadurch auch die Wohnsituation im Alter. Bildquelle: shutterstock.com

Menschen unterschiedlichen Alters, die sich für ein Zusammenleben entscheiden, müssen nicht verwandt sein. In einem Mehrgenerationenhaus kann jeder seine Talente einbringen und keiner ist alleine. Die Seniorin hilft den Kindern bei den Hausaufgaben oder backt für alle Kuchen. Die Kinder mähen für die älteren Leute den Rasen oder helfen beim Einkauf. Die mittlere Generation erklärt den Älteren das Internet und fährt sie zum Arzt. Das klingt so idyllisch wie in einem Buch von Astrid Lindgren. In der Praxis funktioniert diese Art des Zusammenlebens oft, aber nicht immer.

Pro und Kontra Mehrgenerationenhaus

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Im Gegensatz zum Wohnen für Hilfe erfolgt das Geben und Nehmen in solchen Haus- oder Hofgemeinschaften freiwillig. Fühlen sich einzelne Mitglieder des Mehrgenerationenhauses ausgenutzt und glauben, dass ihre Nachbarn mehr einfordern als einbringen, kann das der erste Stein des Anstoßes sein. Darüber hinaus gilt es zu schauen, wie gut die Menschen zueinanderpassen: Ähnliche Interessen, Einstellungen und Hobbys sowie Sympathie erleichtern das Miteinander im Alltag. Außerdem ist es wichtig, stets offen miteinander zu sprechen und Probleme zu klären, bevor sie in einen großen Streit ausarten. Auch sollten die Bewohner idealerweise tolerant, kompromissbereit und rücksichtsvoll sein.

Zudem gilt es zu definieren, wo die Grenzen liegen. Spätestens, wenn ein Bewohner pflegebedürftig wird, muss Hilfe von außen geholt werden. Die Mitbewohner können unterstützen, Essen kochen und Gesellschaft leisten, aber keine Pflegetätigkeiten übernehmen.

Wir können auch weiter denken und das altersgemischte Zusammenleben nicht auf eine Wohnung oder ein Haus beschränken. Es gibt bereits interessante Projekte der „Hilfe von Haus zu Haus“, die einen Stadtteil oder ein Dorf näher zusammenbringt.

Der Staat fördert Mehrgenerationenhäuser

Staatliche Förderungen sind auch für ein Mehrgenerationenhaus abrufbar. Bildquelle: shutterstock.com
Staatliche Förderungen sind auch für ein Mehrgenerationenhaus abrufbar. Bildquelle: shutterstock.com

Der demografische Wandel ist längst Realität, daher hat sich das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend des Themas angenommen. Bereits 2017 startete das Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus und läuft vorerst bis 2020. Für ein Mehrgenerationenhaus können die Gründer Fördergelder beantragen, sofern sie das Projekt noch nicht gestartet haben. Das geförderte Mehrgenerationenhaus zeichnet sich dadurch aus, dass alle Menschen willkommen sind, unabhängig von Alter oder Herkunft. Ein offener Treff mit vielfältigen Angeboten gehört ebenfalls zwingend dazu und bietet Raum für Begegnungen.

In Deutschland nehmen mittlerweile über 540 Mehrgenerationenhäuser an dem staatlichen Programm teil. Gemessen an der wachsenden Zahl von Senioren ist das Nischenprodukt immer noch der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Neben den staatlich unterstützen Angeboten gibt es vielfältige private Initiativen.

Gemeinschaft erleben als Stadt in der Stadt

Gemeinschaft innerhalb der verschiedenen Generationen erleben, das ist das Besondere am Mehrgenerationehaus. Bildquelle: shutterstock.com
Gemeinschaft innerhalb der verschiedenen Generationen erleben, das ist das Besondere am Mehrgenerationehaus. Bildquelle: shutterstock.com

In Zürich wurde vor gut zehn Jahren der Verein Kalkbreite gegründet und mittlerweile in eine Genossenschaft umgewandelt. Dort entstehen nachhaltig gestaltete Wohnungen und Arbeitsraum, ergänzt durch Einrichtungen für die Gemeinschaft. Innerhalb der sozial gut durchmischten „Stadt in der Stadt“ gibt es unterschiedliche Wohnmodelle. Gerade für ältere alleinstehende Menschen sind die Einpersonenwohnungen interessant, die zu sogenannten Clustern gruppiert werden. Darin hat der Mensch Privatsphäre und muss sich nicht mehr im Alter an eine klassische WG-Situation gewöhnen. Andererseits hat sie oder er vielfältige Möglichkeiten, an der Gemeinschaft teilzunehmen und sie mitzugestalten.

Kennen Sie weitere schöne Beispiele für Mehrgenerationenhäuser? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

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5 KOMMENTARE

  1. Sehr interessanter Artikel über die Möglichkeiten, unterschiedliche Generationen unter einem Dach leben zu lassen und sich dabei gegenseitig zu ergänzen und zu unterstützen!

  2. Hallo Detlef, das freut uns sehr, dass Ihnen der Artikel gefallen hat. Wir finden das Konzept des Mehrgenerationenhauses auch ganz toll. Leider ist derzeit die Nachfrage noch größer als das Angebot, aber das ändert sich hoffentlich bald.

  3. Guten Tag, auch ich finde die Idee sehr spannend. Man liest viel darüber aber wo finde ich “Mitstreiter”. Gruss Gabriele

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