Dieses kleine Büchlein und ich hatten es nicht ganz leicht. Einige Wochen lag es neben meinem Stapel von Leseexemplaren. Immer wieder fiel mir jedoch der hübsche Titel ins Auge. Nur die Thematik ließ mich zögern. Sterbebegleitung und Abschied, keine leichte Kost. Hinzukam, dass die Geschichte in Japan spielt. Eine Nation, die mir nicht nah ist: zu diszipliniert, zu unnahbar.
Schönheit der Distanz
Aber die Neugier siegte. Und jetzt gleich vorweg: ein bewegendes Buch, dem ich großen Respekt zolle. Nao-Cola Yamazaki lässt uns einen namenlosen jungen, japanischen Ehemann täglich in die Klinik zu seiner sterbenden Frau begleiten. Ich kenne bislang nur unsere westliche Abschieds-Kultur von Menschen am Ende ihres Lebens. Wir leben Ängste, Trauer, Gefühle aus. Oft mit viel Nähe. Ganz anders bei diesem jungen Paar:
Es hält respektvollen, aber liebevollen Abstand. Ihre Gespräche zukunftsorientiert, fast wie den Alltag aufrechterhaltend, hoffnungsvoll. Der Tod ist präsent, kommt aber nicht zu Wort. Keiner bemitleidet sich oder den anderen. Die junge Frau weint nicht, ist scheinbar “guter Dinge” (ja, sie weiß um den Zustand. Nein, sie verdrängt nicht).

Umso überraschender dann seine selbstverständliche pflegende Zuwendung. Für uns, insbesondere seitens der Männer eher befremdlich. In Japan ist es das nicht. Berührend, wenn er leise fragt, ob er ihr die Hände massieren oder die Ohren reinigen darf. Immer so, dass die Intimität und Eigenständigkeit seiner Frau gewahrt bleibt.
Dazu passt auch die mehrfach erwähnte Aktentasche, die er stets dabei bei sich hat (inkl. Ohrenstäbchen, Nagelpfeile). Ob diese für das “Form wahren” steht? Ebenso wie ihr rosa Zimmer in der rosa Klinik vielleicht die rosarote Brille darstellt, die ihre letzten Tage erhellt? Alle, auch weitere Besucher wahren den Schein und gehen nicht ins Dunkel. Ob das den Abschied erleichtert?
Man spürt auf jeden Fall: auch das kann Liebe sein. Zitat der Autorin: “Ich wollte über die Distanz zwischen Eheleuten schreiben und zeigen, dass Nähe nicht das Einzige ist, was wundervoll ist – auch Ferne kann schön sein.” … “Ich selbst mache ständig Fehler, indem ich Menschen entweder zu nahekomme oder mich zu sehr von ihnen entferne. Aber ich habe das Gefühl, dass es – ähnlich wie bei der Anziehungskraft der Sterne – nicht nur ein Annähern gibt, sondern dass man auch eine perfekte Distanz wahren kann.”
Eure Katharina
“Schönheit der Distanz” von Nao-Cola Yamazaki im Dumont Verlag erschienen. Das Buch können Sie ganz einfach und versandkostenfrei online hier, in der Buchhandlung unseres Vertrauens, bestellen! Mehr zu Katharina Martini erfahrenSie unter: www.katharinamartini.de oder bei Instagram unter katharina_liest vor.







