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Karin Jungjohann war selbstständige Agentin für Filmschaffende in Berlin und pendelte als überzeugte Rheinländerin zwischen der Hauptstadt und Düsseldorf hin und her. In ihrer Freizeit engagierte sie sich für geflüchtete Menschen und gründete das Hispi. Was vor vier Jahren als Bürgerinitiative begann, ist inzwischen ein Bildungsunternehmen, wo Menschen aus vielen Kulturen kostenfrei Deutsch lernen können.

Hallo Karin, wie kamst Du auf die Idee, das Hispi zu gründen?

Das war im Mai 2015 und hatte erst mal nichts mit den vielen Menschen zu tun, die dann im Laufe des Sommers zu uns kamen. Ich hatte ein anderes Engagement wahrgenommen, in dem Kunst und Kultur zu Kindern kommt. Dort lernte ich ein zwölfjähriges Mädchen kennen, das so schlau und wissbegierig war, aber dazu verdammt war, in einem Asylbewerberheim zu hocken, weil damals Kinder von Asylbewerbern nur schwierig Zugang zum deutschen Schulsystem fanden.

Das hat mir keine Ruhe gelassen. Über eine Bekannte, die in der Stadt sehr gut vernetzt war, erhielten wir die Chance, ein leerstehendes Gebäude auf dem Gelände der Unterkunft zu nutzen. Das Schulamt war sehr kooperativ und hat uns Schulmöbel überlassen, mit denen wir immer noch arbeiten, da sie unkaputtbar sind. Und so haben wir angefangen, zweimal in der Woche für Mütter und Kinder Deutschkurse anzubieten. Kurze Zeit später stand dann das erste Zelt mit geflüchteten Menschen im Stadtteil und wir haben uns der Herausforderung mit Herzblut und Engagement gestellt.

Ein junges Mädchen war der Anstoß für Karin Jungjohann das Hispi ins Leben zu rufen. Bildquelle: © Katie Moum / Unsplash.com
Ein junges Mädchen war der Anstoß für Karin Jungjohann das Hispi ins Leben zu rufen. Bildquelle: © Katie Moum / Unsplash.com

Das heißt, es kamen immer mehr geflüchtete Menschen, die in Notunterkünften wie Zelten oder Traglufthallen untergebracht waren?

Genau. Die Unterkünfte füllten sich rasch und wir hatten schon die Infrastruktur mit Schulräumen und Schulmaterialien. Dann bin ich in eine Zeltunterkunft gegangen, wo 300 Leute untergebracht waren und ab da war das Hispi dann voll. Es hatte sich per Mundpropaganda herumgesprochen, dass man bei uns Deutsch lernen konnte. Und wir haben auch viele Menschen dazugewinnen können, die sich hier ehrenamtlich eingebracht haben, weil wir in dem wunderbaren Sommer 2015 alle gerne helfen wollten.

Die anfängliche Begeisterung ist dann abgeflaut. Wie hat sich das auf Eure Arbeit ausgewirkt?

Diese Begeisterung hat dann doch der Realität Platz gemacht und es setzte dann Ernüchterung ein, weil die Leute nicht hierhergekommen sind, um sich komplett eines Besseren belehren zu lassen. Als ob alles, was sie aus ihrem vorherigen Leben und ihrer Kultur mitbrachten, nicht zählt. Auf unser Engagement – wir waren ja noch eine reine Bürgerinitiative – hat das eigenartigerweise gar keinen Einfluss gehabt. Alle anderen haben sich bitterlich beschwert, dass das Engagement zurückging und die Mittel nicht mehr flossen. Da wir ohnehin ohne öffentliche Mittel gearbeitet haben, hat das auf uns keine Auswirkung gehabt und das Engagement war eigentlich ungebrochen. Es war für alle naheliegend, dass Deutschunterricht unbedingt stattzufinden hat.

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Was hat sich bewährt und was habt Ihr geändert?

Wir haben daran festgehalten, dreimal täglich jeweils zwei Stunden Unterricht anzubieten, weil das für ein ehrenamtliches Engagement ein angenehmer zeitlicher Rahmen ist. Das hat sich bewährt. Was wir nicht mehr machen, ist die Begleitung von Kindern, bevor sie in die Schule kommen. Das haben wir im Herbst letzten Jahres eingestellt, da sich unsere städtische Versorgung derartig gebessert hat, dass die Kinder ohne lange Wartezeiten in das Schulsystem finden. Und das ist ja auch das sinnvollste. Wir wollten keine alternative Schule gründen, sondern wir sind einfach nur eingesprungen, weil es den Bedarf gab. Anfangs begleiteten wir große Gruppen von Kindern von sechs bis zwölf Jahren. Zuletzt haben wir sieben Kinder im Alter von fünf Jahren vorschulisch begleitet, die alle im letzten Herbst eingeschult wurden. Das war dann ein gelungener Abschluss.

Ein bewährtes und vor allem engagiertes Team unterstützt Karin Jungjohann in ihrem Projekt. Bildquelle: © Hispi Düsseldorf
Ein bewährtes und vor allem engagiertes Team unterstützt Karin Jungjohann in ihrem Projekt. Bildquelle: © Hispi Düsseldorf

Ihr seid umgezogen ins Zentrum von Düsseldorf und habt euch mit der Sophia Akademie zusammengetan, einem Beratungs- und Fortbildungsunternehmen für Schulen. Was bedeutet das für Eure Arbeit? 

Eine große Verbesserung und Stärkung. Der Umzug ist meiner Idee entsprungen, die ich im Sommer 2017 während eines Austausches mit US Kommunen hatte. Als Leiterin einer Delegation der Kommune Düsseldorf bei WCTE17, welches durch die Organisation Welcoming America und der Heinrich Böll Stiftung organisiert wurde. Wir haben uns mit vier anderen Delegationen aus deutschen Kommunen getroffen mit Vertretern aus Nashville, Los Angeles, Salt Lake City und Denver, die wie wir mit Flüchtlingen arbeiten. Während einer Reise nach Amerika habe ich gesehen, wie das läuft, wenn man an einem Ort Helfer und Organisationen bindet. Das hat mich schwer beeindruckt. Ich mag alles, was Hilfe zur Selbsthilfe und zur Stärkung ist. Das hatte ich immer Hinterkopf. Im Jahr 2018 hieß es dann, wir müssten aus unserem Gebäude raus, weil es abgerissen wird. In letzter Minute haben wir unser jetziges Haus gefunden mit einer riesigen Fläche von 340 Quadratmetern, die nach unserem Bedarf mit inneren Wänden versehen wurde.

Wie konntet Ihr das finanzieren? 

Über eine Integrationspauschale der Kommune war es uns gelungen, Mittel zu bekommen. Allerdings ist es schwierig, solche Zuwendungen von Kommunen oder anderen Geldgebern ohne eine Rechtsform zu erhalten. Deshalb habe ich das Angebot der Gesellschafterin der Sophia Akademie GmbH angenommen, in die bestehende gemeinnützige GmbH als geschäftsführende Gesellschafterin für den Bereich Hispi einzutreten. Und jetzt passt das alles sehr gut zusammen. Zudem konnten wir unser Team vergrößern. Unser Ziel ist es, alle als Angestellte und nicht mehr als Honorarkräfte zu arbeiten.

Das ist wirklich beeindruckend, was aus Deinem persönlichen Engagement entstanden ist und was sich daraus entwickelt hat.

Zumindest ist es mir gelungen, auch viele andere mit in Bewegung zu setzen. Insgesamt haben sich in den letzten vier Jahren in das Projekt 460 Leute eingebracht. Es war mir in meinem Leben schon immer ein Anliegen, dass Menschen sich zusammentun und sich stärken. Und das passiert hier immer noch auf eine schöne Art und Weise und ich hoffe, dass sich das verfestigen wird. Unsere Vision ist, dass das Hispi zu einem modernen, interessanten Standort wird. An diesem sollen sich Lernende und Freiwillige gleichermaßen gerne aufhalten und voneinander profitieren.

Wir wünschen Karin Jungjohann und dem Hispi weiterhin viel Erfolg und bedanken uns für das Gespräch!

Sie leben in Düsseldorf und haben Lust sich als Mitstreiter/in ehrenamtlich zu engagieren? Dann melden Sie sich bitte unter [email protected] oder direkt im Hispi Düsseldorf.

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