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Models jenseits der 60 tauchen immer öfter in der Werbung auf. Einer von ihnen ist Heino. Der 71-Jährige modelt seit zehn Jahren, zuletzt stand er für eine Doku-Reihe vor der Kamera. Im Gespräch verrät er uns entspannt sein Erfolgsgeheimnis.

Heino, wie wurdest Du als Model entdeckt? 

Vor zehn Jahren habe ich noch als Verkäufer in einem Bioladen in Hamburg-Altona gearbeitet, als meine Cousine aus Stuttgart zu Besuch kam. Ich hatte mich schick angezogen, um sie abzuholen und dann sagte sie plötzlich zu mir “Sag mal, Heino, hast du nicht Lust zu modeln?“ Zuerst fand ich das albern, aber dieser Gedanke hat mich nicht mehr losgelassen und dann habe ich mich bei Agenturen beworben.

Was war Dein erster Auftrag?

Das war circa 2009. Mein erster Auftrag war Werbung für eine Zementfabrik in Dubai. Das war sehr nett, ich wurde hofiert und morgens wurde erst einmal gefrühstückt. Das hat mir gut gefallen. Ich bin Vollbartmodel. Es war für mich immer sehr wichtig, den Bart nicht abnehmen zu müssen. Das ist mein Markenzeichen geworden und als Bartmodel werde ich auch gebucht.

Sein verschmitztes Lächeln und der Bart sind das Markenzeichen von Heino. Bildquelle: © Frank Wartenberg
Sein verschmitztes Lächeln und der Bart sind das Markenzeichen von Heino. Bildquelle: © Frank Wartenberg

Du bist inzwischen bei mehreren Modelagenturen unter Vertrag, davon können andere ja nur träumen.

Während ich noch Joghurt, Käse und Brot im Bioladen verkauft habe, fragte mich eine junge Frau, ob ich mir vorstellen könnte, in ihrer Modelagentur mitzumachen. Das war dann schon die zweite Agentur, für die ich eine Fotostrecke für Streetwear gemacht habe. Dabei habe ich eine Stylistin kennengelernt, die mich an den Fotografen Frank Wartenberg weiterempfohlen hat. Er war begeistert von meiner Mimik und meinem Mitarbeiten und hat immer wieder tolle Fotos gemacht. Damit bin ich dann zu anderen Modelagenturen gegangen und bin jetzt bei einigen unter Vertrag, unter anderem bei den Elbmodels für die Generation ab 30.

Heißt das, dass Du Dich vor Aufträgen kaum retten kannst?

Dadurch, dass ich ein spezieller Typ und mit dem langen Bart eher ein Weihnachtstyp bin, bin ich nicht so ausgebucht. Aber es reicht mir ja auch. Es kommt immer mal wieder eine Anfrage.

Hast Du Austausch mit anderen Models, die so alt sind wie Du?

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Ja, ich habe bei einem Dreh für die Doku-Reihe „Digiclash“ für den Sender Kika mitgemacht. In den acht Folgen dreht sich alles um den Umgang mit dem digitalisierten Alltag: In einem Wettbewerb treten vier internetbegeisterte Jugendliche gegen vier internetskeptische Senioren an. Und da habe ich Leute in meiner Gruppe gehabt, die waren auch so 71 oder 77 und alle waren mit Herzblut dabei. Die Kolleg/-innen blühen auf, wenn sie ihre Aufträge bekommen.

Auch nachdenklich macht Heino eine Topfigur. Bildquelle: © Frank Wartenberg
Auch nachdenklich macht Heino eine Topfigur. Bildquelle: © Frank Wartenberg

Das ist ein schönes Stichwort: Aufblühen. Die Aufmerksamkeit tut gut, oder?

Ja, es macht einfach Spaß. Bei dem Dreh waren viele junge Leute dabei und da ist mir bewusst geworden, dass ich der Ältere bin, denn älteren Menschen bringt man Respekt entgegen. Das habe ich genossen. Vorher habe das so noch gar nicht gesehen. Ich habe mich noch nie alt gefühlt.

Das heißt, Du bist körperlich so fit, dass Du das Alter nicht spürst?

Natürlich zwickt es mal ab und zu. Ich sage immer, ich gehöre zu den knackigen Typen, weil es morgens beim Aufwachen hier und da mal knackt. Das ist nun mal so im Alter. Ich bin sehr optimistisch, ernährungsbewusst, achte auf meine Gesundheit, rauche nicht und mache Experimente, wie ein halbes Jahr keinen Alkohol zu trinken, um zu sehen, wie der Körper darauf reagiert. Das macht mir Spaß und hält mich fit und jung.

Du lebst in einer WG. Bist du da der Älteste?

Ja, ich lebe mit Jüngeren zusammen. Mein Mitbewohner ist 47, der seine 16-Jährige Tochter mitgebracht hat. Jeder hat sein Zimmer. Wir essen gemeinsam und spielen mal abends was zusammen in der Küche. Ich bin nicht alleine. Ich brauche nicht ins Altenheim. Ich habe einfach das Gefühl, ich bin noch nicht so weit. Ich bin ja noch nicht alt. Im Kopf ist man immer jung.

Du klingst auch ganz jung.

Ich hatte auch nie Angst vor dem Altwerden. Früher, wenn die Leute mit 30 anfingen von ihren Falten zu reden, habe ich immer zu ihnen gesagt „Schau dich um, die Leute, die Angst haben vor dem Altwerden, denen sieht man das an.“ Man muss optimistisch drauf zugehen und das Leben genießen. Heute ist wichtig.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Bildquelle Titelbild: © Frank Egel

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