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Das einzige Manko der berührenden, witzigen, feinsinnigen – kurz: großartigen – Kurzgeschichten des Autors Matthias Brandt über seine Kindheit im Bonn der 70er Jahre ist, dass man sie zu schnell gelesen hat.

Matthias Brandt hat seine Kindheitserinnerungen in einem wunderschönen Buch verarbeitet. Bildquelle: ©Mathias Bothor/photoselection
Matthias Brandt hat seine Kindheitserinnerungen in einem wunderschönen Buch verarbeitet. Bildquelle: ©Mathias Bothor/photoselection

Vielen ist er als Schauspieler ein Begriff, Matthias Brandt brilliert als Charakterdarsteller auf der Bühne und vor der Kamera. Sein Vater war Willy Brandt, für ihn als Kind schwer erreichbar, im tatsächlichen und übertragenden Sinne. Geboren 1961 in Berlin, wuchs Matthias Brandt überwacht von jovialen Sicherheitsmännern, umsorgt von seiner Mutter und dem geliebten Kindermädchen in der kleinen Stadt am Rhein auf, die vor vierzig Jahren Bundeshauptstadt war. Wie es scheint, war er viel allein, mit sich und seiner Fantasie, nur sein Hund Gabor war sein treuer Gefährte. Als er krank wird und stirbt, weiß der kindliche Protagonist nicht wohin mit seiner Traurigkeit, klettert auf die Weide im Garten und „blieb sitzen, ohne noch etwas zu denken oder zu fühlen. Schließlich griff ich mir ein Bündel der dünnen Zweige und schwang mich mit einem Schrei hinunter, einige brachen ab, und ich prügelte mit ihnen auf den nächsten Strauch ein.“

Warmer Kakao, Wachmänner und Heimweh

Der Kindheits-Kosmos in Matthias Brandts literarischem Debüt ist bevölkert vom Ford-Capri fahrenden Hausmeister Hunke. Den kriegsbeschädigten Religionslehrern und dem netten und zunehmend verstummenden Nachbarn Heinrich Lübke, den er regelmäßig auf eine Tasse warmen Kakao besucht. Einem der Bewacher des Kanzlerbungalows leistet er gern Gesellschaft in seinem Wachhäuschen. Er ist fasziniert von der Pistole in der Schublade, die er so gern einmal in der Hand halten möchte. Es gibt auch einen Chauffeur. Dieser fährt ihn nach einer Heimweh-Nacht bei einem Schulfreund ins ganz und gar nicht spießig-normale Zuhause auf dem Venusberg zu den geliebten Eltern zurück.

Lesevergnügen mit feinem Witz

"Raumpatrouille" ist eine Sammlung von einfühlsamen Kurzgeschichten von Matthias Brandt. Bildquelle: Verlag Kiepenheuer & Witsch
“Raumpatrouille” ist eine Sammlung von einfühlsamen Kurzgeschichten von Matthias Brandt. Bildquelle: Verlag Kiepenheuer & Witsch

„Alles, was ich erzähle, ist erfunden. Einiges habe ich erlebt. Manches von dem, was ich erlebt habe, hat stattgefunden“, stellt Matthias Brandt den Geschichten voran. Der Detailreichtum, mit dem er sich an seine kindlichen Erlebnisse, Gedanken und Gefühle erinnert und in Sätze mit feinem Witz packt – ob ausgedacht oder nicht spielt letztlich keine Rolle – ist verblüffend. Sie nehmen den Leser mit in seine ganz eigene Welt, der trotz Einsamkeit und leiser Melancholie eine eigentümliche Glückseligkeit innewohnt. Auf 176 Seiten erwartet die Leser und Leserinnen ein berührendes und hintergründiges Lesevergnügen. Wir möchten es nicht mehr missen.

Das Buch können Sie online www.brandt-raumpatrouille.de versandkostenfrei für 18 Euro bestellen. Erschienen ist es beim Verlag Kiepenheuer & Witsch.

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