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Unterschätztes Potential für einen langen Verbleib im eigenen Zuhause.

Alle Senioren wünschen sich selbstbestimmt, selbständig und im gewohnten Umfeld alt werden zu können. Für Menschen mit Demenz ist es jedoch ganz besonders wichtig, möglichst lange im eigenen Zuhause verbleiben zu können. Denn gerade bei diesem Krankheitsbild gibt das vertraute Umfeld Sicherheit. Jede Wohnung steckt voller Erinnerungsstücke, spiegelt unsere Identität wieder und bildet so den Rückzugsraum, der Sicherheit und Geborgenheit vermittelt.

Viele Angehörigenschulungen nehmen das Thema Wohnraumgestaltung bei demenziellen Erkrankungen bereits in das Repertoire der Themen auf. Trotzdem sehe ich hier noch großen Informationsbedarf. Ganz entscheidend bei dem Verlust kognitiver Fähigkeiten ist der Verlust von zeitlicher und räumlicher Orientierung. Hier kann bereits mit ganz einfachen Mitteln gegengesteuert werden. Vor allem die Wirkung von Farben und Flächen, von Beleuchtung und Kontrasten ist weitestgehend unbekannt. Im Krankenhausbau und bei der Planung von Pflegeeinrichtungen werden stets Fachleute aus dem Bereich demenzsensibler Architektur hinzugezogen. Im Privathaushalt sind diese Ansätze noch nicht überall angekommen.

Auch mit Demenz möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben,das wünschen sich viele von uns. Bildquelle: © Shutterstock.com
Auch mit Demenz möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben,das wünschen sich viele von uns. Bildquelle: © Shutterstock.com

Wohnungsanpassung, aber wie?

Das soll nun aber auch nicht heißen, dass die komplette Wohnung umgebaut werden muss oder neue Möbel angeschafft werden müssen. Gerade dies wäre sogar fatal, da die erkrankte Person Orientierungspunkte und die vertraute Umgebung braucht. Rückzugsbereiche und Wohlfühlorte wie der vertraute Fernsehsessel sind wichtig. Oft erreicht man mit dem gut gemeinten Neukauf von Aufsteh- und Massagesesseln genau das Gegenteil. Veränderungen sollen behutsam vorgenommen werden.

Das Ziel sollte sein, Stürze zu vermieden und Gefahrenquellen zu eliminieren. Stolperfallen wie Teppiche, Verlängerungskabel oder Kleinmöbel kommen auf den Prüfstand. Auf ausreichende Bewegungsflächen für den Rollator sollten wir achten. Die Kunst besteht darin, den Betroffenen möglichst viel Selbstständigkeit zu ermöglichen, Kompetenzen zu stärken und gleichzeitig die Defizite aufzufangen und Sicherheit zu gewährleisten. Soweit die Theorie.

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Einfache Mittel, große Wirkung

Ein paar praktische Lösungen sollen dies verdeutlichen. Die fehlende Orientierung kann mit Piktogrammen aufgefangen werden. Diese gibt es zu kaufen, man kann sie aber auch selbst basteln. Die Schränke in Küche und Schlafzimmer werden mit Bildern versehen, die zeigen, was sich im Inneren verbirgt. Gerade die Badezimmertüre sollte deutlich gekennzeichnet sein. Oft hilft es auch einfach, die Türe offen zu lassen, so dass der Blick auf das WC fällt und die Funktion des Raumes so erkannt wird.

Zur Orientierung unter den zeitlichen Aspekt können spezielle Kalender helfen, die außer dem Datum und der Uhrzeit auch noch die Jahreszeit vermitteln. Die Angaben sollten zum besseren Verständnis immer ausgeschrieben sein, die Jahreszeit kann als Bild oder Foto vermittelt werden. Eine jahreszeitliche Dekoration und eine entsprechende Bepflanzung auf dem Balkon lassen die Jahreszeiten erlebbar werden. Der oftmals gestörte Tag-Nacht-Rhythmus kann mit besonderen Lampen unterstützt werden, welche mit bestimmten Lichtfarben aktivieren können oder auch die Schlafhormone anregen können.

Jede Jahreszeit hat ihre Farben und die sollten wir unbedingt zur Orientierung für die an Demenz erkrankten Menschen berücksichtigen. Bildquelle: © Chris Iawton / Unsplash.com
Jede Jahreszeit hat ihre Farben und die sollten wir unbedingt zur Orientierung für die an Demenz erkrankten Menschen berücksichtigen. Bildquelle: © Chris Iawton / Unsplash.com

Moderne Helferlein

Beim Thema Sicherheit kommen Helfer, wie ein Herdwächter und ein Wassermelder zum Einsatz. Diese ergänzen den Rauchwarnmelder und können Brand- und Wasserschäden verhindern. Bei Überhitzung schaltet sich die Stromzufuhr zum Herd ab. Diese Produkte gehören in die Gruppe der technischen Assistenzsysteme. Falls der Hausnotruf nicht mehr verlässlich gedrückt werden kann, können Sturzsensoren und weitere technische Features die Pflegekraft oder den Angehörigen verständigen. Auch bei Verlassen der Wohnung wird eine automatische Meldung ausgelöst. So kann trotz Hinlauftendenz die Haustür unverschlossen bleiben und die Selbstbestimmung ist gewahrt.

Viele Angehörige wissen nicht um die vielen angstmachenden Dinge in der Wohnung. Hierzu gehören z. B. dunkle Flächen, die als tiefes Loch wahrgenommen werden. So kann eine schwarze Fußmatte das Überqueren der Türschwelle unmöglich machen. Türen in Wandfarbe werden nicht so gut wahrgenommen, wie welche in Kontrastfarbe. Einen weißen Lichtschalter auf weißer Wand findet der Betroffene schlecht. Weiße Sanitärobjekte auf weißen Fliesen ebenso wenig. Diesen Effekt setzt man aber auch bewusst ein, falls bestimmte Bereiche der Wohnung unattraktiv gemacht werden sollen.

Wichtig ist es, Spiegel nicht gegenüber von Türen aufzuhängen. Der Erkrankte könnte z. B. denken, das Bad sei besetzt, wenn er sich selbst nicht mehr im Spiegel erkennt. Spiegelnde Fußböden werden als Wasser wahrgenommen und verstärken die Unsicherheit.

Die Umgebung in jeder Hinsicht anders wahrnehmen

Demenziell veränderte Menschen sind zudem geräuschempfindlich, da Geräusche oft nicht mehr zugeordnet werden und so ebenfalls Ängste auslösen können. Unruhige Muster und bestimmte Farben können Unruhe ebenfalls verstärken, andere Farben wiederum beruhigen und entspannen. Selbst ein Schattenwurf kann Ängste auslösen. Dies kennen wir alle sicherlich noch aus unserer Kindheit.

Um Ressourcen zu stärken und geliebte Gewohnheiten wie Handarbeiten oder Lesen zu ermöglichen ist eine gute Beleuchtung gefragt. Hierfür können Bewegungsmelder gute Dienste leisten. Gerade beim nächtliche Toilettengang ist dies unter dem Aspekt der Sturzprophylaxe ein wichtiges Thema.

Ähnlich wie ein Leuchtturm, kann eine durchdachte Wohnungsanpassung dem an Demenz erkrankten Menschen viel mehr Orientierung geben. Bildquelle: © Allen Cai / Unsplash.com
Ähnlich wie ein Leuchtturm, kann eine durchdachte Wohnungsanpassung dem an Demenz erkrankten Menschen viel mehr Orientierung geben. Bildquelle: © Allen Cai / Unsplash.com

Wohnungsanpassung versus Medikamente

Die Erkenntnis, dass die Wohnumgebung die Psyche beeinflusst, ist bei neuartigen Konzepten in stationären Einrichtungen schon berücksichtigt. Man bietet z. B. verschiedene Typen von Bewohnerzimmern an. Wer immer in modern möblierten Räumen gelebt hat, fühlt sich z. B. im Landhausstil nicht so wohl. Studien belegen, dass weniger Psychopharmaka notwendig sind, wenn wir Erkenntnisse aus der Wohnpsychologie berücksichtigen.

Es lohnt sich also, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Es gibt inzwischen zahlreiche Informationen im Netz oder entsprechende Fachliteratur. Auch die örtlichen Anlaufstellen der Demenzinitiativen oder die Wohnberater der BAG-Wohnungsanpassung helfen gerne weiter.

Nutzen Sie das Potential der Wohnraumgestaltung und testen Sie die positive Wirkung bei Ihren Angehörigen!

Herzlichst Ihre

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