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Wer hätte gedacht, dass die Sahara nicht einmal drei Flugstunden von Frankfurt entfernt liegt? Mit allen beeindruckenden Facetten der größten Wüste der Erde, aber auch mit respekteinflößender Unerbittlichkeit. Vor allem hätte ich die Sahara in meinem Weltbild nicht im Süden Tunesiens angeordnet.

Tunesien bedeutete für mich bisher: türkisfarbenes Meer, weiße Häuser, blühende Bougainvilleen und ein Hauch von 1001 Nacht. Und ja, all das gibt es in dem arabisch beeinflussten nordafrikanischen Land. Aber nicht nur. Zu Tunesien gehören auch die endlosen Dünen des östlichen großen Erg, gewaltige Salzseen, Fata Morganas, Oasen, Berberdörfer und Wüstenschlösser.

Die gewaltigen Salzseen prägen die Landschaft im Süden Tunesiens. Bildquelle: © Nace Skoda / Unsplash.com
Die gewaltigen Salzseen prägen die Landschaft im Süden Tunesiens. Bildquelle: © Nace Skoda / Unsplash.com

Zu Besuch im Land der Berber

Bald nach der Landung auf der Urlauberinsel Djerba sehen wir die ersten Männer im traditionellen Mantel der Berber auf der Straße. Das wadenlange Gewand ist in jedem Fall aus braunem, wärmendem Wollstoff genäht und verfügt über eine Kapuze.

Den Berbern gelten auch die ersten Stationen unserer Rundreise durch den Süden Tunesiens. Genauer gesagt, den traditionellen Speicherburgen der nomadischen Volksstämme und ihren Wohnhöhlen, die vor vielen Jahrhunderten in die weichen Felsen geschlagen wurden.

Im Dahar-Bergland im Südosten Tunesiens leben die Menschen teilweise noch heute in Troglodyten, wie die Wohnhöhlen heißen. Die alten Dörfer bilden optisch eine perfekte Einheit mit den Bergen. Glücklicherweise macht uns der Fahrer hin und wieder auf ein Dorf aufmerksam, meist in der Nähe einer modernen Siedlung. Sonst hätten wir sie nicht bemerkt.

Berberdörfer – mit den Gipfeln der Berge verschmolzen

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Vor allem für junge Familien ist die Abgeschiedenheit eines traditionellen Berberdorfes ein Problem. Die Busanbindung zur Schule ist so schlecht, dass viele Eltern mit ihren Kindern wegziehen. In Chenini im Gouvernement Tataouine bemüht sich der Zahnarzt Dr. Habib Belhedi um Bewohner und um die Zukunft des Ortes. Er hat ein Restaurant eröffnet und eine Pension.

Die Gäste dürfen die Annehmlichkeiten einer Troglodyten-Wohnung ausprobieren – mit eigenem Bad und Terrasse mit grandioser Aussicht. Der Sandstein soll sommers wie winters für nahezu gleichbleibende Temperaturen um die 20 Grad in den Räumen sorgen.

Wie in die Innenwand eines Kraters schmiegen sich die Höhlenwohnungen und diverse Anbauten in Chenini – ein Bild wie aus einer anderen Welt. Wer bei Dr. Belhedi bucht, hat einen Logenplatz in der obersten Reihe. Mit einem an internationale Standards angepassten Hotel in Tunis oder auf Djerba hat die ursprüngliche Pension wenig gemein. Dafür versprechen Troglodyten-Hotels einzigartige Übernachtungserlebnisse.

Das Troglodyten-Hotel „Sidi Driss“ in Matmata hatte bereits ebenso einzigartige Gäste: Die Außerirdischen Luke Skywalker und Prinzessin Leia gingen hier ein und aus. Zumindest während der Dreharbeiten zur entsprechenden Star Wars Episode. Star Wars Regisseur George Lucas war so fasziniert vom landschaftlichen Zauber Südtunesiens, dass er Szenen für fünf der sechs ersten Episoden im Land drehte.

Mos Espa ist unter anderem bekannt als Drehort für die Star Wars Filme. Bildquelle: Pixabay.com
Mos Espa ist unter anderem bekannt als Drehort für die Star Wars Filme. Bildquelle: Pixabay.com

Wüstenschlösser als Vorratskammern der Nomaden

Auch zwei der zahlreichen Speicherburgen im Dahar-Gebirge – Ksar Hadada und Ksar Ouled Soltane – waren Drehorte für Star Wars. Doch der Besuch eines dieser imposanten Wüstenschlosser lohnt auch ohne Star Wars Hintergrund. Ksars sind in zahlreichen regionalen Varianten im ganzen nordafrikanischen Raum verbreitet.

In Tunesien sind die Speicherburgen aus Steinen und etwas Erde als Mörtel gebaut. In den Speicherkammern, die in mehreren Stockwerken übereinander angelegt sind, verwahrten die Berber Lebensmittelvorräte und Wertgegenstände. Ksars waren meist nicht bewohnt und wurden bewacht. Heute dienen einige Speicherburgen als einfache Hotels.

Auf unserer Fahrt vom Dahar-Gebirge in Richtung Westen versandet die Straße mit jedem Kilometer mehr. Bald verwandelt sich die asphaltierte Straße in eine Piste und plötzlich finden wir uns in den Dünen wieder. Unser Fahrer steuert den Geländewagen souverän durch den tiefen, feinen Sand und ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen.

Wohnen im Wüstencamp

Dieser und der nächste Tag stehen ganz im Zeichen der Sahara. Wir übernachten in einem Wüstencamp – dem Camp Zmela – in Zelten und auf Feldbetten. Kaum sind wir angekommen, steht das Mittagessen schon auf dem Tisch. Die traditionelle Suppe mit der dezenten Harissa-Schärfe schmeckt köstlich. Außerdem gibt es Couscous, Lammfleisch und Gemüse und als Nachtisch süße Orangen.

Jeder Tropfen Wasser und alle Nahrungsmittel müssen aus vielen Kilometern Entfernung über Pisten hierher transportiert werden. Die Männer, die im Camp arbeiten, sind wahre Multitalente. Sie kochen wunderbares Essen und servieren formvollendet, backen am nächtlichen Lagerfeuer Brot im heißen Sand und sorgen mit traditionellen Musikinstrumenten und Gesang für Unterhaltung.

Auch die Aufgabe, das Camp in dieser Umgebung sauber zu halten, ist nicht zu unterschätzen. Der Wind treibt den allgegenwärtigen feinen Sand durch alle Ritzen. Da wird fegen zur Lebensaufgabe und der Besen zum wichtigsten Handwerkszeug.

Eine Nacht in der Wüste zu verbringen ist schon ein ganz besonderes Erlebnis. Bildquelle: © Oliver Schweizer / Unsplash.com
Eine Nacht in der Wüste zu verbringen ist schon ein ganz besonderes Erlebnis. Bildquelle: © Oliver Schweizer / Unsplash.com

Surrealistische Bilder sammeln in der Sahara

Die Wüste selbst, die Stille und die surrealistischen Bilder, der Wind, der den feinen Sand aufwirbelt und wie einen Schleier über die Wellenmuster der Dünen treibt – all das muss man selbst erlebt haben! Es ist eine unvergessliche Erfahrung, die prägt und den Menschen verändert.

Auch die Februarnacht in der Wüste wird wohl immer in meiner Erinnerung bleiben. Erstaunlicherweise bin ich zwar bald eingeschlafen, nachdem ich die Kerze neben meinem Nachtlager ausgepustet habe. Doch die Kälte kriecht unerbittlich durch zwei Schlafsäcke. Und als die Sonne aufgegangen ist, entdecken wir auf Zelten und Dünen eine Schicht feiner Eiskristalle.

An diesem Tag dringen wir tiefer in die Weiten des östlichen großen Erg vor. Hin und wieder kreuzen Dromedare unseren Weg. Auch platte Autoreifen, durchbohrt von spitzen Steinen, sorgen für die eine oder andere Pause. Mitten in der Wüste tauchen plötzlich Palmen und dampfende Wasserbecken auf: die Thermalquellen von Ksar Ghilane.

Wellness in der Wüste: Oasen und Thermalquellen

Auch viele Kilometer westlich von Ksar Ghilane werden wir auf Oasen und Thermalquellen stoßen. Beispielsweise in Nefta nahe der algerischen Grenze. Hier blicken wir von der Terrasse des Hotels Dar Hi auf die Wipfel der Dattelpalmen im Talkessel La Corbeille und die Altstadt von Nefta. Ein atemberaubender Anblick in der  Mittagssonne, die so stark wärmt, dass wir im T-Shirt schwitzen. Hinter uns vertreibt sich ein Hotelgast in einem Pool mit Thermalwasser die Zeit.

Auch das benachbarte Tozeur ist eine Oase, auch hier blickt man von den Dächern auf weitläufige Palmengärten und in die Straßen der Altstadt. Ganz charakteristische, sandfarbene Ziegelfassaden mit einer bemerkenswerten Reliefstruktur prägen die Altstädte von Tozeur und Nefta. Hier sollte man sich Zeit nehmen für einen Bummel durch die engen Gassen und für einen süßen Tee, zu dem die gastfreundlichen Tunesier gerne einladen.

Eines der verlässlichsten Fortbewegungsmittel sind die Dromedare. Sie sind in ihrer Lebensform absolut den Wüstenverhältnissen angepasst. Bildquelle: © Simon Goetz / Unsplash.com
Eines der verlässlichsten Fortbewegungsmittel sind die Dromedare. Sie sind in ihrer Lebensform absolut den Wüstenverhältnissen angepasst. Bildquelle: © Simon Goetz / Unsplash.com

Fata Morganas im Land der Dattelpalmen

Tozeur und Nefta liegen am Chott el Jerid, einem einstmals riesigen Binnenmeer. Heute ist das Gewässer fast komplett ausgetrocknet – zum Salzsee. Von Douz, dem Tor zur Sahara, kommend überquert man den Chott el Jerid auf einem langen Damm. Selbst im Februar sehen wir in der gleißenden Mittagssonne am Rande des Salzsees eine Fata Morgana. Sie macht uns glauben, dass in erreichbarer Entfernung frisches, blaues Wasser wartet. Welch ein Trugschluss! Denn der Jerid – das Land der Dattelpalmen – liegt hinter unserem Rücken.

Die einzigartige Vielfalt Südtunesiens, die atemberaubenden Landschaften, die Schönheit der Städte und Dörfer und die Gastfreundschaft der Menschen – all das ist keine Fata Morgana. Ich werde mit Sicherheit wiederkommen, denn hier gibt es noch ganz viel zu sehen und zu erleben.

Tipps für eine Reise nach Tunesien

  • Beste Reisezeit für den Süden Tunesiens: Frühling, Herbst und Winter
  • Sprachen: Amtssprache ist arabisch, viele Tunesier sprechen französisch
  • Währung: tunesischer Dinar, erhältlich am Flughafen oder in größeren Hotels, mit üblichen Kreditkarten an Geldautomaten.
  • Zur Einreise reicht der Reisepass, ein Visum ist nicht erforderlich. Die Einreisekarte, die bei der Einreise ausgestellt wird, ist unbedingt aufzuheben und bei der Ausreise vorzulegen.
  • Impfungen: Tetanus, Diphterie, Polio, Hepatitis A empfohlen
  • Machen Sie eine Reise in die Wüste niemals auf eigene Faust, sondern nur mit einem einheimischen Fahrer oder einem Tour-Anbieter
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