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Ein lilafarbenes Meer aus Krokusblüten lockt jedes Jahr im März Zehntausende in die graue Stadt am Meer – nach Husum. Ein Widerspruch? Nein. Grauer Strand, graues Meer, graue Stadt – das war Theodor Storms Empfinden, als er seiner Heimatstadt im Jahr 1852 ein Gedicht gewidmet hat. Heute kommen bei einem Bummel am Hafen und durch die Gassen keine düsteren Gedanken mehr auf. Bunte Häuser, bunte Schiffe und schließlich die Hauptattraktion Husums, die Krokusse, wirken hervorragend!

Zwar weiß man nicht, wer die Krokusse wann im Park des Schlosses vor Husum angesiedelt hat. Aber sicher ist, dass sie zu Storms Lebzeiten schon an dieser Stelle gewachsen sind. Wenn auch nicht in der Menge wie heute. Etwa 5 Millionen Blüten sollen es sein, denn die Pflanzen vermehren sich ohne menschliches Zutun ständig.

Die Krokusart stammt eigentlich aus südlicheren Gefilden, sie wurde als Zierpflanze im Norden eingebürgert. Und so sind die Krokusse in Husum das einzige wilde Vorkommen dieser Größe im nördlichen Europa.

Wie sind die Krokusse nach Husum gekommen?

Husum versinkt im März in einem Meer von Krokussen. Bildquelle: Pixabay.de
Husum versinkt im März in einem Meer von Krokussen. Bildquelle: Pixabay.de

Man vermutet heute, dass die Krokusse in Husum zum Zweck der Safrangewinnung angepflanzt wurden. Es existieren zwei Varianten darüber, wer dieses – erfolglose – Experiment gestartet haben könnte: Im 15. Jahrhundert befand sich an der Stelle des heutigen Schlosses ein Kloster, in dem Mönche lebten. Da sie Safran als Farbstoff für liturgische Gewänder benötigten, könnten sie die Krokusse in ihrem Garten gepflanzt haben.

Eine andere Geschichte besagt, dass die Krokusse durch die Hand von Herzogin Marie Elisabeth in den Schlosspark gekommen sind. Der Adligen, die im 17. Jahrhundert im Schloss residierte, eilte der Ruf voraus, eine begnadete Zuckerbäckerin zu sein. Safran gehört bekanntlich zu den Zutaten in süßem Gebäck. Pech: Aus der angepflanzten Sorte konnte zu keiner Zeit Safran gewonnen werden.

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Die Husumer von heute stört dieser kleine botanische Denkfehler nicht. Sie nehmen das alljährlich erblühende Blumenmeer zum Anlass für ein farbenfrohes Stadtfest, in dessen Zuge beispielsweise eine Krokusblütenkönigin gekrönt wird. Ab diesem Jahr darf es übrigens – der Gleichberechtigung sei Dank – auch ein König sein.

Tipp: Das Krokusblütenfest findet in diesem Jahr am 24. und 25. März statt. Im Mittelpunkt des Festes steht die Blütenpracht im Schlosspark. Der Landschaftspark beheimatet außer den berühmten Krokussen auch beeindruckende Baumriesen, auf denen zur Zeit der Krokusblüte die Krähen unter lautem Gezeter ihre Nester bauen.

Außerdem sehenswert in Husum

Die nordfriesische Stadt hat über die Krokusblüte hinaus einiges zu bieten: Die Lage an der Nordsee verspricht immer ein maritimes Erlebnis, der berühmteste Sohn der Stadt hat Spuren hinterlassen und auch das Schloss lohnt einen Besuch.

Schloss vor Husum

Ein wunderschöner Farbkleks im sonst noch tristen und grauen Norden. Die Krokusblüte in Husum. Bildquelle: Pixabay.de
Ein wunderschöner Farbkleks im sonst noch tristen und grauen Norden. Die Krokusblüte in Husum. Bildquelle: Pixabay.de

Der Name des Schlosses, das nur wenige Gehminuten vom Hafen entfernt liegt, stammt aus der Zeit, als das Schloss noch vor den Stadtgrenzen lag. Das Hauptgebäude des einzigen Schlosses an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste liegt auf einer Insel, die vom – tatsächlich wasserführenden – Schlossgraben umgeben ist. Das Schloss beherbergt mehrere Museen, eine Galerie, ein Café, die Kreismusikschule und ist beliebter Veranstaltungsort für kulturelle Ereignisse.

Auf den Spuren von Theodor Storm

Der Dichter ist der berühmteste Sohn Husums. Aus seiner Feder stammt neben besagtem Gedicht „Die Stadt“ auch „Der Schimmelreiter“. Husum und die Umgebung der Stadt finden sich in vielen Werken des Literaten wieder. Wenn Sie sehen wollen, wo Storm in die Stimmung zum Schreiben kam, wenn Sie die Atmosphäre der damaligen Zeit aufsaugen möchten – voilà: Begeben Sie sich zum Storm-Haus in der Wasserreihe 31.

Hier sind alle Räume so erhalten, also ob der Dichter gleich wieder zurückkäme. Das Poetenstübchen mit den dunkelrot gestrichenen Wänden und dem ausladenden Schreibtisch, das Wohnzimmer mit dem Biedermeiersofa, die Landvogtei im Erdgeschoss, wo der studierte Jurist zwei Jahre lang sein Amt ausübte – das Kaufmannshaus war nicht nur 14 Jahre lang Schauplatz von Storms Leben, sondern auch einiger seiner Novellen. Auch der Hof und der Garten des Hauses sind sehenswert.

Der Husumer Binnenhafen

Mitten in der Innenstadt kann man in Husum das Schauspiel von Ebbe und Flut beobachten. Im malerischen Binnenhafen schwimmen die Schiffe nicht mit Muss, je nach Wasserstand fallen sie auch trocken. Möwen kreischen und es riecht nach Fisch – ein herrlicher Ort zum Schauen und Genießen.

Und zum Lernen: Direkt am Hafen befinden sich das Nationalparkhaus und das Schifffahrtsmuseum. Hier bleibt man warm und trocken, wenn draußen nicht die Sonne scheint. Und erfährt mehr über Flora, Fauna und das Leben an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste.

Husum besticht durch seine bunten Häuser und hat neben der Krokusblüte auch noch ein wenig mehr zu bieten. Bildquelle: shutterstock.com
Husum besticht durch seine bunten Häuser und hat neben der Krokusblüte auch noch ein wenig mehr zu bieten. Bildquelle: shutterstock.com

Während sich im Nationalpark-Haus alles um das Welterbe Wattenmeer dreht, lernen gestandene Landratten im Schifffahrtsmuseum Nordfriesland die maritime Geschichte Husums kennen. Walfang, Fischerei und Schiffsbau sind die Themen, denen sich die Ausstellungen widmen. Besonderer Hingucker ist das Wrack eines 400 Jahre alten Lastenseglers, das vor 20 Jahren geborgen wurde. Das als „Zuckerschiff“ bekannte Wrack steht für ungezählte Schiffe, die in den Fluten der Nordsee versanken.

Tipp: Im Schifffahrtsmuseum ist an jedem 4. Sonntag im Monat der Eintritt frei. Der Eintritt zum Nationalpark-Haus Husum ist generell frei.

Husumer Außenhafen

Vom Binnenhafen kommt man durch eine Bahnunterführung zum Außenhafen. Hier laufen die Schiffe ein und die Fischer verkaufen fangfrische Krabben direkt vom Kutter. Wir haben hier zwar keine Krabben gekauft, uns dafür aber ein Brötchen mit seefrischen Krabben genehmigt: köstlich! Windgeschützt verspeisten wir es in einem Strandkorb, während wir das Treiben am Hafen beobachteten und die Frühlingssonne unsere Gesichter wärmte.

Planungshilfe: Ob die Krokusse schon blühen, ob der Blütenteppich noch zu sehen ist und wie lange noch – all das erfahren Sie auf der Webseite von Husum- Tourismus.

 

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