Für manche Anleihen des Staates Griechenland zahlen Anleger heute an der Börse mehr als sie eines Tages zurückbekommen werden! Und das ist nicht etwa so wie vor Jahren, als der Griechen-Staat vor der Pleite stand und faktisch nicht mehr zurückzahlen konnte.

Die Anleihe kurz erklärt

Die Anleihe hält in Sachen Rendite nicht immer was sie verspricht. Bildquelle: Pixabay.de
Die Anleihe hält in Sachen Rendite nicht immer was sie verspricht. Bildquelle: Pixabay.de

Nein, die 4,75-Prozent-Griechenanleihe bis 2019 z.B. wird aktuell mit 104 Prozent bezahlt; freiwillig also mit 1.040 Euro für jeweils 1.000 Euro Nennwert. Anleihen sind festverzinsliche Wertpapiere. Der Schuldner, hier Griechenland, oder z.B. auch die Bundesrepublik, zahlt jährlich die fest vereinbarten Zinsen auf den Nennwert und am Ende der Laufzeit den Nennwert zurück. Zwischendurch können solche Anleihen jeden Tag an der Börse verkauft oder gekauft werden; natürlich zu schwankenden Kursen – ausgedrückt in Prozent des Nennwerts.

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Kommen wir zurück zu Griechenland. Käufer, die heute so viel für die griechische Staatsanleihe bezahlen, setzen fest darauf, dass die Griechen ihnen am 17. April 2019, bei der Fälligkeit der Anleihe, die 1.000 Euro Nennwert zurück zahlen werden. 40 Euro Verlust sind also gegenüber dem heutigen Kaufpreis von 1.040 Euro eingeplant. Die Jahreszinsen von 47,50 Euro gibt es zu den 1.000 Euro Nennwert dazu. Wer solche Geschäfte macht, muss wissen was er tut: Ganz viel Wind um ganz wenig Zinsen. Betroffen sind Millionen Sparer und Fondssparer.

Griechen-Anleihe im Vergleich zur Staatsanleihe der Bundesrepublik Deutschland

Anleger haben in den jüngsten zwölf Monaten so viele Millionen in besagte Griechen-Anleihe gesteckt, dass der Kurs von 95 Prozent auf jetzt 104 Prozent hoch gesetzt werden konnte; zusätzlich zu den 4,75 Prozent Zinsen. Ein gutes Geschäft für Anleger, die diese Anleihe schon früher gekauft haben. Gleichzeitig zum Anstieg der Griechen-Anleihe ist z.B. die 4,75-Prozent Staatsanleihe der Bundesrepublik Deutschland bis 2040 von 180 Prozent auf 171 Prozent gesunken.

Idealerweise geht der Trend immer nach oben, aber das entspricht bei weitem nicht immer der Realität. Bildquelle: Pixabay.de
Idealerweise geht der Trend immer nach oben, aber das entspricht bei weitem nicht immer der Realität. Bildquelle: Pixabay.de

Im Sommer 2016 waren für dasselbe Papier sogar mehr als 200 Prozent gezahlt worden; jeweils für 1.000 Euro Nennwert zahlbar am 4.7.2040. Wie viel oder wie wenig man sich bei der aktuellen Entwicklung dann noch für 1.000 Euro wird kaufen können, das ist eine andere Frage. Manche Investmentfonds sind nach ihren Regularien quasi gezwungen, solche Anleihen zu kaufen – wohlgemerkt: mit dem Geld ihrer Kunden. Und die Kunden wundern sich, warum die Anteilwerte ihrer Fonds nicht richtig steigen wollen.

Die verrückte Welt der Investmentfonds

Der BVI-Investmentfondsverband hat jetzt vorgelegt, was die angeschlossenen Fonds 2017 für die Millionen Kunden herausgeholt haben. Fonds, die in Anleihen investieren, sog. Rentenfonds, sind im Durchschnitt nicht über 2 Prozent Plus hinausgekommen. Viele Fonds haben das Geld ihrer Kunden sogar verringert: Zuerst müssen die Fonds die Kosten der Verwaltung und die Gehälter der Verwalter verdienen. Was danach übrigbleibt, schlägt sich im Anteilwert und in der Ausschüttung nieder.

Gut für die wenigen Fonds, die Griechen-Anleihen halten, schlecht für die ganz vielen Fonds, die Bundesanleihen halten. So verrückt ist das. Und so wird das wohl auch 2018 bleiben. Viele Beobachter gehen davon aus, dass Bundesanleihen jedenfalls nicht wieder steigen werden. Das hängt aber nicht etwa mit der Finanzpolitik der Bundesregierung zusammen, sondern mit der Europäischen Zentralbank EZB und mit deren Euro-Rettungspolitik; z.B. für die Sicherung der Zahlungsfähigkeit von Griechenland.

Der aktuell stärkere Aktienfonds

Es macht durchaus Sinn seine Investmentfonds regelmäßig auf ihre Rendite zu überprüfen. Bildquelle: shutterstock.com
Es macht durchaus Sinn seine Investmentfonds regelmäßig auf ihre Rendite zu überprüfen. Bildquelle: shutterstock.com

Das meiste Geld jedoch haben Fondssparer in sog. Aktienfonds stecken. Doppelstellige Plus-Prozente waren bei diesen Fonds 2017 nicht die Ausnahme sondern eher die Regel. So hat es der BVI-Verband ausgerechnet. Gut für mutige Sparer. 59plus’erInnen können selbst überprüfen, was Ihre Fonds herausgeholt haben. Wie – ganz einfach:

Vergleichen Sie zunächst den Rücknahmepreis/Anteilwert 2017 mit diesem Anteilwert von 2016. Dann addieren Sie die Ausschüttung, die sie zwischenzeitlich erhalten haben. Und Sie werden überrascht sein. Oder Sie schreiben an die Redaktion, welche Fonds Sie besitzen und wir ermitteln dann nach Plus und Minus. Für diejenigen die für ihren Fonds eine Prognose für 2018 haben möchten, bieten wir an, direkt bei dem Manager ihres Fonds anzufragen, was er in 2018 für möglich hält.

Herzlichst Ihr

Martin Beier

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