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Genau dieser Satz fällt mir ein, wenn ich den gestrigen Totensonntag Revue passieren lasse. Und ich meine damit eindeutig nicht, was ich am heutigen Feiertag alles bewerkstelligt habe, sondern viel mehr, was dieser Tag mit mir so anstellt. Ob ich es immer möchte oder nicht, so bin ich als kölsches Kind natürlich auch von den Ritualen der christlichen Kirche geprägt. Es erscheint mir gar nicht so lange her, dass ich am Totensonntag alles, aber auch wirklich alles blöde fand. Ein Feiertag, der nix bringt, weil er auf einen Sonntag fällt – geht gar nicht.

Den Samstagabend schrottete der Totensonntag auch, denn alle Discos hatten zu. Und dann auch noch das Gerenne von Grab zu Grab. Ich war dagegen! Später habe ich nicht mehr darüber nachgedacht, ob mir nun ausgerechnet dieser oder jener Feiertag nicht so in den Kram passt. Sie waren da, mir vertraut und hatten ihren festen Platz im Jahresreigen meiner Familie. Und dann, ganz schleichend hat sich doch etwas verändert. Eigentlich kann ich es nur so beschreiben, dass ich auch auf einmal Gedichte verstand und nicht nur las. Sie haben sich mir erschlossen.

Feiertage

Ostern, Pfingsten und Weihnachten haben für uns alle eine große Bedeutung und wir feiern sie gerne. Völlig unerheblich, ob wir sie zu einem ganz privaten Fest der Familie umgestaltet oder sie für uns eine tiefe religiöse Relevanz haben. Sie sind ein Ereignis. Anders hingegen die weitaus ruhigeren und bedächtigeren Feiertage im dunklen November. Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag, Buß -und Bettag und der Totensonntag kommen leise daher. Sie zeigen nicht nur in der Natur, sondern auch im kirchlichen Reigen das Ende des Jahres auf. Die Stille und Dunkelheit dieses Jahresabschnittes sind für mich sowieso schon nicht leicht zu ertragen und dann auch noch diese Schwere der Feiertage. Am liebsten möchte man doch flüchten, oder?

Stille und einen Moment verweilen - wertvolle Momente in unserer heutigen schnellen Zeit. Bildquelle: © Mathieu Perrier / Unsplash.com
Stille und einen Moment verweilen – wertvolle Momente in unserer heutigen schnellen Zeit. Bildquelle: © Mathieu Perrier / Unsplash.com

Stille Tage

Die Gelegenheit bietet sich uns ja eigentlich ständig. Unser Leben ist so schnell geworden, dass es ein Leichtes für uns ist. Wir können uns mit tausenden von Dingen ablenken und weghören, wenn etwas immer lauter werdend und beharrlich in uns anklopft. Ich möchte das nicht, möchte da sein wo ich bin, innehalten und hinhören. Vielleicht muss man ein Stück des Weges gegangen sein, geliebte Menschen schmerzlich und oft vermissen, um einen solchen Tag wertzuschätzen. Auch wenn ich antiquiert und aus der Zeit gefallen erscheine – mir liegt an diesen stillen Tagen.

Ihre

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