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Wie der Umgang mit Smartphone und Tablet Spaß macht und den Alltag erleichtert, vermittelt Dagmar Hirche vom Hamburger Verein „Wege aus der Einsamkeit“. In Gesprächsrunden erfahren ältere Menschen, wie sie sich in der digitalen Welt zurechtfinden können. Wir sprachen mit der 59-Jährigen Unternehmensberaterin über die Tücken der Technik und neue Chancen.

Frau Hirche, wie kamen Sie auf die Idee für die Gesprächsrunden?

Der Hamburger Verein "Wege aus der Einsamkeit" will auch älteren Menschen den Umgang mit Smartphone und Co. beibringen. Bildquelle: wegeausdereinsamkeit.de
Der Hamburger Verein “Wege aus der Einsamkeit” will auch älteren Menschen den Umgang mit Smartphone und Co. beibringen. Bildquelle: wegeausdereinsamkeit.de

Bei der Auswertung von Statistiken haben wir 2014 festgestellt, dass die Nutzung von digitalen Medien von älteren Menschen extrem gering ist. In einer Gesprächsrunde mit Freunden und Bekannten habe ich unser Konzept „Das 1×1 der Tablets und Smartphones für Menschen 65+“ getestet. Die Resonanz war gut. Wir haben dann ein erstes Treffen  mit 12 Teilnehmern durchgeführt. Als das Hamburger Abendblatt darüber berichtete, haben sich 120 Leute gemeldet.

Das Interesse ist also da?

Ja, da ändert sich etwas. Der Mut sich dem Neuen zu stellen wird größer. Anfang des Jahres hat das Hamburger Abendblatt wieder berichtet. Und diesmal waren es sogar 460 Interessenten. Oft sagen die Teilnehmer: „Meine Kinder und Enkel haben keine Zeit uns die Geräte in Ruhe zu erklären.“ Wir sind mit viel Geduld und Humor bei der Sache. In unseren dreistündigen Runden können die Teilnehmer so lange Fragen stellen, bis sie die Geräte verstehen und bedienen können.

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Was sind die größten Probleme, mit denen die Teilnehmer zu kämpfen haben?

Das fängt damit an, dass sie die Geräte nicht bedienen können. Bei einem neuen Smartphone gibt es zum Beispiel eine Standardeinstellung, dass das Gerät nach 30 Sekunden in den Ruhemodus geht. 90 Prozent wissen nicht, dass sie die Einstellungen verändern können. Deshalb üben wir am Anfang die Schrift zu vergrößern, die Lautstärke zu erhöhen, das Display heller oder dunkler einzustellen. Als erstes stellen wir den Ruhemodus auf zehn Minuten (lacht). Auch die Tastatur zu bedienen mit Groß-, Kleinschreibung und Sonderzeichen muss geübt werden.

Wie überzeugen Sie die Skeptiker in Ihren Kursen?

Indem ich sie bei ihren persönlichen Interessen abhole. Männer sind oft zurückhaltend, aber wenn ich ihnen die Bundesliga App erkläre, sind sie auf einmal hellwach (lacht). Die Teilnehmer verstehen den Sinn und den Nutzen des Internets für ihren Alltag, wenn sie wissen, wann der Bus fährt oder sie virtuell ein Museum besuchen können. Meistens kommt dann noch das Thema WhatsApp und Skype dazu, um mit den weit entfernten Kindern oder Enkeln im Kontakt zu sein zu können.

Führt ein Leben im Alter ohne die digitale Welt zur Isolation?

Ja, das ist leider so. Wenn die digitale Welt außen vor bleibt, sind ältere Menschen auch in der analogen Welt isoliert. Sie sind von vielen Informationen abgeschnitten. Jeder zweite Bericht in der Tagesschau endet mit dem Satz: „Weitere Informationen finden Sie auf unserer Website“. Die digitalen Medien schaffen neue Möglichkeiten, länger ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Im Gesundheitsbereich und unter dem Schlagwort Smarthome werden digitale Anwendungen immer wichtiger. Dass diese Entwicklung ihnen ganz konkrete Vorteile bringt, das möchte ich  älteren Menschen vermitteln.

Hier erfahren Sie mehr über das Angebot des Hamburger Vereins Wege aus der Einsamkeit, den Dagmar Hirche 2006 gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner gegründet hat.

 

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