Gesunde Menschen können ihre Kleidung in jeder Stadt, jedem Dorf und im Internet kaufen. Aber wo kauft man mit einer Behinderung seine Kleidung? Auf diese Frage fand Wilma Verhoeks vor fast 20 Jahren keine Antwort. Und beschloss, dies zu ändern. Die 53-Jährige ist die treibende Kraft der Firma Wi-Care (www.wi-care.net), die ihren Sitz im holländischen Geldermalsen hat. Mit ihrem Team und Produktionsbetrieben in Osteuropa entwirft, produziert und vertreibt Wilma Verhoeks Kleidung für Menschen mit Handicap. Dabei verbindet sie in ihrer Arbeit modischen Anspruch mit hochwertigen Stoffen und hoher Funktionalität.

Stoffe sind ihre Leidenschaft und Bekleidung ihre Berufung - Wilma Verhoecks mit Wi-Care. Bildquelle: 59plus GmbH
Stoffe sind ihre Leidenschaft und Bekleidung ihre Berufung – Wilma Verhoecks mit Wi-Care. Bildquelle: 59plus GmbH

Frau Verhoeks, bevor Sie Wi-Care gegründet haben, waren Sie Dozentin für Modedesign. Welchen Auslöser gab es für Sie, sich mit Kleidung für Menschen mit Behinderung zu beschäftigen?

Als ich meine beiden Kinder bekommen habe, habe ich eine berufliche Pause eingelegt. Hinzu kommt, dass für mich mein Job eine Herausforderung sein muss und das war das Unterrichten als Dozentin nicht. Ich hatte eine Freundin, die in einem Pflegeheim gearbeitet hat und sich darüber beklagte, dass es sehr schwer war, Menschen im Bett An- und Auszuziehen. Und dann dachte ich, vielleicht ist das etwas für mich, Kleidung für Menschen zu entwerfen, die krank und behindert sind. Daraufhin habe ich Wi-Care gegründet, was die Abkürzung für Wilma Care ist.

Welches Kleidungsstück haben Sie als Erstes entworfen?

Von der Pike auf gelernt. Das Maßband und die Nähmaschine sind die täglichen Begleiter von Wilma Verhoecks. Bildquelle: 59plus GmbH
Von der Pike auf gelernt. Das Maßband und die Nähmaschine sind die täglichen Begleiter von Wilma Verhoecks. Bildquelle: 59plus GmbH

Das war eine Hose für eine Frau um die fünfzig, die nach einem Unfall seit Jahren querschnittgelähmt war und nur noch Jogginghosen tragen konnte. Sie fühlte sich dadurch nicht mehr als Frau. Sie rief mich an und bat mich um Hilfe, indem ich Hosen für sie entwerfe. Das war eine große Herausforderung für mich, weil ich mich auf Menschen konzentrieren musste, die einen komplett anderen Körper haben. Und ich wollte die Identität der Kundin in die Hose einarbeiten, denn sie war eine schicke Dame. Nachdem sie sie bekommen hatte, rief sie mich an und sagte: “Liebe Wilma, du hast mein ganzes Leben verändert. Ich fühle mich wieder als Frau trotz meines Handicaps“. Sie ging wieder ins Theater und fuhr in die Ferien.

Was ist besonders beim Entwerfen von Kleidung für besondere Menschen?

Jedes Produkt ist aus einem Problem entstanden. Beispielsweise von Menschen, die nicht nach draußen können. Oder für Menschen, die selbständig ihre Hosen anziehen möchten ohne fremde Hilfe, habe ich eine Hose ohne Hosenboden entwickelt. Die kann man selbst anziehen, weil man nicht aufstehen muss. Oder ein Kunde wollte Hosen haben, die er am Knie mit einem Reißverschluss verkürzen kann. Endlich konnte er im Sommer mit dem Rollstuhl an den Strand und ohne fremde Hilfe Shorts tragen.

Wie wird das Angebot von Wi-Care angenommen?

Die treibende Kraft und Gründerin von Wi-Care ist Wilma Verheocks. Bildquelle: Wi-Care
Die treibende Kraft und Gründerin von Wi-Care ist Wilma Verheocks. Bildquelle: Wi-Care

Die ersten fünf Jahre waren schwierig, wir mussten uns und unsere Arbeit erst bekannt machen, aber inzwischen sind wir Marktführer in Holland und beliefern mit unseren Produkten Krankenhäuser und Heime für Demenzkranke und Privatpersonen. Von den einfacheren Produkten wie dem Rollstuhlcape oder der Sitzschalenjacke produzieren wir Serien. Und wir machen weiterhin Maßanfertigungen, zum Beispiel auch Brautkleider für Menschen im Rollstuhl. Es ist wichtig, dass meine Kunden sich identifizieren können mit Wi-Care. Eine Kundin sagt immer: „Mein Sohn trägt Lacoste und ich trage Wi-Care“. Mit meiner Kleidung verbinden die Menschen ein Lebensgefühl. Es ist wichtig, dass die Menschen sagen können, ich habe zwar eine Behinderung, aber ich bin trotzdem noch der- oder diejenige, die ich vorher auch war.

Gibt es Ihre Kreationen wie den modischen pAncho auch in Deutschland zu kaufen?

59plus liebt den pAncho. Das ultimative Kleidungsstück für den Herbst und Winter. Bildquelle: 59plus GmbH
59plus liebt den pAncho. Das ultimative Kleidungsstück für den Herbst und Winter. Bildquelle: 59plus GmbH

Lange Jahre haben wir ausschließlich für Kunden in Holland gearbeitet, seit zwei Jahren liefern wir auch nach Deutschland. Ein Geschäft gibt es in nur in Holland, aber online kann alles bestellt werden. Besonders gut läuft tatsächlich der pAncho, ein aparter und besonderer Poncho, der anfangs entwickelt wurde für Frauen im Rollstuhl. Seit Jahren bekomme ich auch Anfragen von Schwangeren, Müttern mit Kindern, Geschäftsfrauen – also allen Frauen – die den pAncho kaufen möchten. Er ist ein Spezial-Produkt für Menschen im und ohne Rollstuhl und ist gleichzeitig das Prachtstück innerhalb der Fashion Line von Wi-Care, weil er alle modebewussten Frauen verbindet.

Vielen Dank für das Gespräch!

Haben wir Sie neugierig gemacht? Dann bestellen Sie den pAncho doch gleich hier, zu einem absoluten Sonderpreis, in unserem Onlineshop!

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