“Wie viel Liebe hat Mascha Kaléko uns hinterlassen. Wieviel Schönheit und Trost. So lange hat sie Wunder beschworen und auf Wunder gehofft, bis sie alle aufgebraucht waren. Die größten aber sind erst nach ihrem Tod geschehen. Dieser unglaubliche und nicht abreißende Erfolg ihrer Gedichte.“ (Zitat)
Ach, Mascha Kaléko, was hätte man ihr gewünscht, dies noch zu erleben, was ihr zu Lebzeiten verwehrt blieb. Besonders in der Zeit, als sie 1955 nach fast zwanzig Jahren im Exil aus New York nach Deutschland zurückkehrt. Und diese Reise steht bei Volker Weidemann im Fokus.

“Wenn ich eine Wolke wäre”
Vor dem Krieg als große Dichterin gefeiert, muss die jüdische Familie, Mascha mit Mann Chemjo und Sohn Steven fliehen. In New York sind sie sicher, aber weder willkommen noch zuhause, eher isoliert und wirtschaftlich schwach aufgestellt. Sie schreibt weiter Gedichte, aber ohne wirklich gehört zu werden. Was für ein Absturz.
Dann buhlt nach Kriegsende der Rowohlt-Verlag um sie, möchte sie wieder nach Berlin holen. Nach langem Verweigern, mit Skepsis, Ängsten und Fragen im Gepäck reist sie dann doch per Schiff ins Nachkriegsdeutschland. Dieses Land, welches sich zwischen Verdrängung, Schweigen und Wirtschaftswunder befindet. Zunächst wird diese Rückkehr ein voller Erfolg. Sie wird gehört, gefeiert und ist glücklich.
„Jetzt möchte ich am liebsten wieder ganz hierbleiben“ (Zitat), schreibt sie enthusiastisch an Chemjo und wünscht, dass er mit dem Sohn nachkommt. Doch das Glück hält nicht. Sie schreibt über die Schicksale, Erlebnisse Vertriebener, aber davon möchte man nichts hören. Man erwartet von Exilanten wie ihr „nach vorne zu schauen, zu vergessen“. Den Fontane-Preis soll ihr ein ehemaliger SS-Standartenführer übergeben!. Unglaublich! Sie lehnt ab.
Ja, das Glück an alte Zeiten und Erfolge anzuknüpfen, die Heimat wieder zu finden, später auch mit Mann und Sohn, bleibt ihr verwehrt. Weitere Schicksalsschläge folgen. Volker Weidemann hat ein sehr emphatisches, nahes Buch über diese große Dichterin geschrieben. Eine gelungene Mischung aus Reportage und ergreifender Erzählung. Danke, Mascha Kaléko! Unvergessen! Denn auch heute ist es doch wieder sehr ratsam „klug zu sein und sich an Wunder zu halten“!
Eure Katharina
“Wenn ich eine Wolke wäre” von Volker Weidermann ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen. Das Buch können Sie ganz einfach und versandkostenfrei online hier, in der Buchhandlung unseres Vertrauens, bestellen! Mehr zu Katharina Martini erfahrenSie unter: www.katharinamartini.de oder bei Instagram unter katharina_liest vor.







