Die schweizer Lyrikerin und Filmemacherin Nora Grominger schreibt in puzzle-ähnlichen Kapiteln über Trauer, Wut, Ratlosigkeit und das Erinnern an die verstorbene Mutter (Zitat: meine lustige, herbe, emotional erpresserische und zugleich großzügige Mutter.) Und über ihr Aufwachsen und Leben mit  Eltern, die eigentlich keinen Raum für eine Tochter haben. Nora wird von klein auf eher mit Literatur gefüttert oder anstelle kindlicher (Lebens-)Freude häufig mit dem Tod konfrontiert.

“Am Meerschwein übt das Kind den Tod”

Beginnend mit dem Tod des geliebten Meerschweinchens über Besuche auf dem Friedhof oder der Aufforderung, ihrer verstorbenen Großmutter noch einmal genau ins Gesicht zu schauen. Ihre Mutter ist überzeugt davon, dass es das Kind aufs Leben bzw. den Tod vorbereitet. Der kleinen Nora fallen zudem überfordernde Rollen zu: Als Schlichterin zwischen den Eltern (der Vater ein notorischer Fremdgänger. Die Mutter, die nicht loslassen kann), als Begleiterin in depressiven Phasen der Mutter oder das Anpassen an wechselnde Lebensumstände. Sie findet eigentlich nie einen sicheren, stabilen Platz. Legt früh an Gewicht zu. (Zitat: Wieder aß ich, um irgendwie in der Welt zu sein, nicht unsichtbar zu werden … Ich wusste früh, dass ich nicht zwischen meine Eltern kommen durfte und nicht hinter sie. Zwischen ihnen wäre ich zermalmt worden … und hinter ihnen wäre ich vergessen worden … sie hätten ihre pummelige Tochter einfach abgehängt.

"Am Meerschwein übt das Kind den Tod" von Nora Gomringer, erschienen im Voland & Quist Verlag. Bildquelle: © Voland & Quist Verlag
“Am Meerschwein übt das Kind den Tod” von Nora Gomringer, erschienen im Voland & Quist Verlag. Bildquelle: © Voland & Quist Verlag

Sie erzählt aber auch über glückliche, aufregenden Momente insbesondere mit der Mutter. Deren Liebe zur Literatur weckt Phantasie und Neugierde. Umzüge, Standortwechsel und Reisen bieten Abwechslung und Abenteuer. Es fehlt eben die Ruhe, Sicherheit und Geborgenheit. Für den Vater stellt Nora sogar eher eine Konkurrenz dar.

Nun ist ihre Mutter verstorben, hinterlässt neben der Trauer (ihre Stimme, die nie mehr meinen Namen ausspricht) viele bekannte Muster und eingespielte Rituale zwischen den beiden. Die Kapitel erschienen mir als Leserin manchmal wie ein Mosaik oder Türen, die die Autorin aufmacht, dahinter schaut, stöbert und sucht.

Mein Fazit

Eine gelungene Mischung aus Poesie, Erzählung und auch reichlich Komik. (Zitat: Und sogar der Kühlschrank, den sie sich (die Mutter) selbst gekauft hatte, starb eine Woche nach ihr. Er gab – man sagt es doch so – seinen Geist auf. Und reiste ihr nach einem letzten Seufzer … dem eine unheimliche Stille folgte.) Dieses Buch ist schon sehr eigen. Was war das denn jetzt zwischen Mutter und Tochter? War das bei all dem Unsteten und Eigenartigen doch eine gute Bindung und Liebe? Es ist auf jeden Fall sehr sympathisch, offen und ehrlich. Ich mag das!

Eure Katharina

“Am Meerschwein übt das Kind den Tod” von Nora Gomringer ist im Voland & Quist Verlag erschienen. Das Buch können Sie ganz einfach und versandkostenfrei online hier, in der Buchhandlung unseres Vertrauens, bestellen! Mehr zu Katharina Martini erfahrenSie unter: www.katharinamartini.de oder bei Instagram unter katharina_liest vor.

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