Früher war das Leben klar strukturiert. Nach der Schule folgte eine Lehre oder ein Studium, dann wurde jahrzehntelang gearbeitet und ab dem Alter 59plus winkte die wohlverdiente Rente. Sie bedeutete Zeit für die Enkel, für Hobbys und ausgedehnte Reisen. Heutzutage entwickeln viele Rentnerinnen und Rentner noch weitere Aktivitäten, wenn ihre Gesundheit es zulässt. Ob als Ehrenamt oder gegen Bezahlung: Immer mehr Senioren sind noch berufstätig. Durch die neue Aktivrente könnte ihre Zahl weiter steigen. Was es mit der Aktivrente auf sich hat, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Das Statistische Bundesamt hat ermittelt, dass 13 Prozent der 65- bis 74-Jährigen noch berufstätig sind. Überwiegend handelt es sich dabei um Teilzeitstellen. So arbeiten etwa 39 Prozent der Ü65-Beschäftigten maximal zehn Stunden pro Woche und weitere 26 Prozent zehn bis zwanzig Stunden in der Woche. Im „Unruhestand“ entdecken manche Senioren eine neue Berufung oder kehren als Urlaubsvertretung an ihren früheren Arbeitsplatz zurück.
Einige der Ruheständler haben leider keine Wahl. Ihre Rente fällt zu schmal aus und sie möchten weder ihrer Familie noch dem Staat zur Last fallen. Oft schrecken sie davor zurück, sich über staatliche Leistungen wie Wohngeld oder die Grundsicherung zu informieren. Besonders häufig von Altersarmut betroffen sind dabei Frauen. Auch Selbstständige können sich oft das „“In-Rente-gehen“ nicht leisten, weil sie zu wenig private Altersvorsorge aufbauen konnten. Für andere wiederum ist der Beruf weiterhin Berufung, und sie freuen sich über Anerkennung, soziale Kontakte und mehr Struktur in ihrem Alltag.
Was ändert sich durch die Aktivrente?
Viele Unternehmen sind für arbeitende Rentner dankbar, denn in Zeiten des Fachkräftemangels sind erfahrene und loyale Mitarbeiter gefragt. Bisher konnten Rentner zwar zu ihrer Rente etwas dazuverdienen, mussten die Einkünfte aber entsprechend versteuern. Nun hat die Bundesregierung mit der Aktivrente ein neues Gesetz auf den Weg gebracht. Die Aktivrente ist am 1. Januar 2026 in Kraft getreten. Auch wenn der Name es andeutet, handelt es sich nicht um eine Rente, doch das erklären wir gleich noch genauer.
Die Aktivrente soll ältere Menschen motivieren, trotz Renteneintritt weiter zu arbeiten oder sich im Rentenalter (wieder) eine Stelle zu suchen. Damit hofft die Regierung, die Auswirkungen der demografischen Entwicklung abzufedern. Derzeit und in den kommenden Jahren gehen nämlich die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer in Rente. Damit gehen nicht nur wichtige Arbeitskräfte, sondern auch ihr Fachwissen verloren.
Die Aktivrente erlaubt Menschen, die die gesetzliche Regelaltersgrenze erreicht haben, freiwillig weiterzuarbeiten. Für alle Menschen, die ab dem Jahr 1964 geboren wurden gilt die Regelaltersgrenze von 67 Jahren Wer älter ist, erreicht diese Grenze bereits ein paar Monate früher.
Wichtige Details zur Aktivrente
Das Lockmittel der Aktivrente ist der hohe Steuerfreibetrag. Bis zu 2.000 Euro pro Monat können Menschen in Rente steuerfrei hinzuverdienen. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie bereits Rente beziehen oder den Rentenbezug noch aufschieben. Egal ob Sie bereits ein berufstätiger Rentner waren oder es in diesem Jahr erst werden, vom neuen Steuerfreibetrag profitieren Sie in jedem Fall.
Das sollten Sie zur Aktivrente wissen:
- Ab 2.000 Euro muss der über der Grenze liegende Betrag versteuert werden. Verdienen Sie als Rentner künftig beispielsweise 2.400 Euro pro Monat, müssen Sie nur die 400 Euro über der Grenze versteuern.
- Arbeitende Rentner müssen allerdings auch für die ersten 2.000 Euro Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. In unserem Beispiel würde der Beitrag für die Kranken- und Pflegekasse somit von den gesamten 2.400 Euro berechnet.
Wichtig zu wissen ist auch:
Leider gilt das Angebot der Aktivrente nicht für alle Menschen im Rentenalter. Das neue Gesetz schließt einige Personengruppen aus. Dazu zählen Freiberufler und Selbstständige, Land- und Forstwirte sowie Beamtinnen und Beamte. Auch Menschen, die in Minijobs tätig sind, profitieren nicht von der neuen Regelung.

Gesund am Arbeitsplatz altern
Nur der neue steuerliche Anreiz kann das Problem des Fachkräftemangels jedoch nicht lösen. Wichtig wird auch sein, dass Unternehmen, Krankenkassen und Staat die gesunde Arbeit im Alter fördern. Dafür ist Wissen darüber erforderlich, wie Arbeitsplätze auch für ältere Menschen geeignet eingerichtet werden. Werden die Augen schwächer und die Rückenschmerzen häufiger, helfen eine stärkere Lampe und ein höhenverstellbarer Schreibtisch. Von den Vorteilen eines ergonomischen Arbeitsplatzes profitieren alle Mitarbeitenden, nicht nur Menschen im Alter 59plus. Zusätzlich können Fitnessangebote und regelmäßige Gesundheitschecks dabei helfen, dass Menschen länger mit guter Gesundheit arbeiten. Auch passende Weiterbildungsangebote für langjährig Beschäftigte können ein wichtiger Baustein sein.
Wie gefällt Ihnen die Aktivrente? Möchten Sie deshalb nun länger berufstätig bleiben, um von den steuerfreien Einnahmen zu profitieren? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte!







