Keine Helden, keine Außenseiter, einfach Menschen wie du und ich. Rita, Joachim und Jane kommen in sechs Kapiteln zu Wort. Mit ihren Gedanken, ihrem Leben, den Freuden und Ängsten. Was sie verbindet ist der Wunsch nach Trost, leise, aber spürbar und somit auch das Thema dieses Romans. Zitat: „Und jeder, wirklich jeder Mensch auf der Welt braucht Trost. Und das ist überhaupt kein schlimmer Gedanke … es wäre erst schlimm, wenn es keinen Trost gäbe“.

"Trost" von Angelika Klüssendorf, erschienen im Piper Verlag. Bildquelle: © Piper Verlag
“Trost” von Angelika Klüssendorf, erschienen im Piper Verlag. Bildquelle: © Piper Verlag

Trost

Da ist also die 60jährige Schriftstellerin Rita. Naturverbunden lebt sie in ihrem Häuschen, hadert schon lange an ihrer Beziehung zu Joachim, liebt ihre Hühner inzwischen mehr als ihn und wäre eigentlich lieber allein.

Dann Joachim, 68, ehemaliger Musiklehrer. Er hat es sich in der Beziehung bequem gemacht. Regelmäßig Sex, dann stimmt es schon so. Und gegen Rita austeilen, das kann er gut. Seine 17jährige Tochter Jane hingegen hat eine innige, liebevolle Verbindung zu Rita. Die leibliche Mutter lebt in ihrer Netflix-Serienwelt und bekommt sonst eigentlich nichts mehr mit.

Rita gehört das erste Kapitel. Schon immer hat sie sich in die falschen Männer verliebt und jetzt kommt sie einfach von Joachim, der ihr nicht guttut, nicht weg. Großes Thema, bei dieser ansonsten selbstständigen, klugen Frau. Mehr als ein Kapitel ist ihr leider nicht vergönnt: sie fällt nach einem Unglück ins Koma. Kann man ihr Trost spenden?

Dann kommt Jane zu Wort. Vertritt die große Verunsicherung, Ziellosigkeit der jungen Generation, verstärkt durch die Geschehnisse zur Zeit der Pandemie und dem Ausbruch des Ukraine-Krieges. Und jetzt auch noch dem Verlust ihrer Vertrauten Rita. Wo findet sie Trost? Bestimmt nicht bei ihrem Vater Joachim, den der Zustand von Rita überfordert. Der nicht mal die Stärke hat am Krankenbett Händchen zu halten. Ganz im Gegenteil: er sucht sofort woanders Halt bzw. Trost.

Aber ganz, ohne sich auch mal im Spiegel anzuschauen, kommt er nicht weg. Wieso hat mich dieser Roman so gefesselt? Ich glaube, es ist die Art und Weise, wie Angelika Klüssendorf uns diese Personen so nahbar macht. So ehrlich, so nachvollziehbar. Und es ist eben auch tröstlich, dass wir Menschen uns in Vielem gar nicht so unähnlich sind. Nur jeder anders damit umgeht. Und Trost oft in den kleinen Gesten steckt. Ein feines Buch, finde ich.

Eure Katharina

“Trost” von Angelika Klüssendorfist im Piper Verlag erschienen. Das Buch können Sie ganz einfach und versandkostenfrei online hier, in der Buchhandlung unseres Vertrauens, bestellen! Mehr zu Katharina Martini erfahrenSie unter: www.katharinamartini.de oder bei Instagram unter katharina_liest vor.

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