Die Zahl der Auswanderer aus Deutschland steigt von Jahr zu Jahr. Im Jahr 2024 hat das Statistische Bundesamt knapp 1,3 Millionen Menschen erfasst, die Deutschland den Rücken gekehrt haben. Die Mehrheit von ihnen waren Menschen mit Migrationshintergrund, die überwiegend in ihre Herkunftsländer oder die ihrer Herkunftsfamilie auswanderten. Allerdings zählten auch knapp 270.000 Menschen mit deutschem Pass dazu. Im Jahr 2011 waren es erst 140.000.
Ein genauerer Blick auf die Deutschen, die im Jahr 2024 auswanderten, bringt Interessantes zutage. So waren 11 Prozent von ihnen im Alter 59plus, als sie in Deutschland ihre Koffer packten. Knapp 5.000 von ihnen hatten sogar bereits ihren 80. Geburtstag gefeiert.

Auswandern in TV und Podcast
Die Orte, an die die Auswanderer gehen, und ihre Pläne für das neue Leben sind ausgesprochen vielfältig. Hinter den nackten Zahlen verbergen sich oft außergewöhnliche Geschichten. Seit mittlerweile 20 Jahren werden diese in der TV-Doku-Soap „Goodbye Deutschland!“ porträtiert. Neben „normalen“ Auswanderern begleitet der Sender auch Prominente und manchmal werden Menschen durch dieses TV-Format selbst zu Promis.
Der Auswanderer-Podcast „Einfach aussteigen“ setzt seit 2020 nicht auf spektakuläre Szenen und tränenreiche Abschiede, sondern auf Gespräche mit Tiefgang. Dabei hat der Gastgeber Nicolas Kreutter auch immer wieder ältere Menschen in seinem Podcast zu Gast. Ein schönes Beispiel ist Brigitte Kalle, die mit 58 Jahren auf die Azoren ausgewandert ist. Sie erfüllte gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Auswanderung, da sie schon zuvor ein Mensch war, der Herausforderungen und Neues liebte. So kam sie per Zufall in die Gastronomie und führte einige Jahre lang erfolgreich ein Restaurant in Hamm, Nordrhein-Westfalen. Eines Tages beschloss sie dann, mit ihrem Lebensgefährten einen Neustart auf den Azoren zu wagen. Sie hatte professionelle Küchenutensilien im Gepäck, entschied sich dann aber eine neue Tätigkeit in der Verwaltung von Ferienhäusern.
Wohin zieht es die meisten Auswanderer?
Für ihren Neuanfang legen manche Auswanderer nur wenige hundert Kilometer zurück. Zu den beliebtesten Zielen deutscher Auswanderer zählen unsere Nachbarländer Schweiz und Österreich. Weitere begehrte Ziele in Europa sind Spanien und Frankreich. Auch die USA gehören nach wie vor zu den fünf beliebtesten Zielen.
Ältere Auswanderer sehnen sich häufig nach einem Leben in warmen Regionen. Manche Krankheiten und Beschwerden sowie die Stimmung verbessern sich durch mehr Sonnenlicht. Mitunter sind es auch handfeste finanzielle Gründe, die den Wunsch nach Veränderung auslösen. Wer nur eine kleine Rente bezieht, kann in Ländern mit niedrigeren Lebenshaltungskosten komfortabler leben. Deshalb sind in den vergangenen Jahren viele Deutsche nach Bulgarien ausgewandert. Allerdings hat das Land zum 1. Januar den Euro eingeführt. Daher ist damit zu rechnen, dass das Preisniveau dort etwas anziehen wird.
Mit der Rente auswandern
Apropos Rente: Bekommen deutsche Rentner diese auch nach der Auswanderung? Wer in ein EU-Land umzieht, bekommt seine volle Rente überwiesen. Das gilt auch für die Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein. Außerhalb der EU wird es etwas komplizierter, wenn Deutschland mit dem Zielland kein Sozialversicherungsabkommen abgeschlossen hat. In diesem Fall sollten Sie sich frühzeitig von der deutschen gesetzlichen Rentenversicherung beraten lassen.
Als Rentner im Ausland, müssen Sie jährlich bestätigen, dass Sie noch am Leben sind. Das klingt kurios, doch die deutsche Rentenversicherung fordert tatsächlich jedes Jahr eine sogenannte „Lebensbescheinigung“. Im Auftrag der gesetzlichen Rentenversicherung überwacht der Renten Service der Deutschen Post diese Prüfung. Im Ausland lebende deutsche Rentner müssen an ihrem neuen Wohnort zu einer Behörde, Bank oder einer deutschen Auslandsvertretung gehen. Nach Vorlage der gültigen Papiere, bestätigen diese eine solche Lebensbescheinigung. Mittlerweile gibt es auch eine digitale Alternative. Die Unterlagen für diesen Digitalen Lebensnachweis (DLN) erhalten die Rentner mit dem Formular der Lebensbescheinigung.

Mit dem Rentner-Visum in die Sonne?
Ebenso wichtig ist es, bereits vor einer Auswanderung zu klären, ob Sie für Ihr Wunschland ein Visum benötigen. Außerhalb der EU unterscheiden sich die Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen von Land zu Land stark voneinander. Einige Länder bieten spezielle „Rentner-Visa“ an. Wer beispielsweise nach Thailand oder Panama auswandern möchte, muss ein monatliches Mindesteinkommen nachweisen können. In Thailand beträgt dieses derzeit beispielsweise umgerechnet 1.700 Euro. Wer eine niedrigere Rente bezieht, muss zudem ein Bankguthaben von mindestens 20.000 Euro nachweisen können.
Die Definition dessen, was einen Rentner ausmacht, variiert von Land zu Land. Das Mindestalter reicht dabei von 50 bis 65 Jahren.
Neues Land, altes Leben?
Wie Auswanderer in ihrem neuen Land leben, ist sehr unterschiedlich. Viele möchten ähnlich komfortabel wie zu Hause wohnen, nur mit besserem Wetter. Einige lernen eifrig die Sprache und freunden sich schnell mit den Einheimischen an. Andere wiederum umgeben sich im neuen Land möglichst mit Deutschen. In Thailand gibt es beispielsweise spezielle Wohnanlagen für Senioren. Wer dort lebt, hat meist überwiegend Nachbarn aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Da diese Anlagen auch Restaurants und ein Freizeitprogramm bieten, sind die wenigsten Neuankömmlinge motiviert, Thailändisch zu lernen.
Das ist schade, denn das Erlernen und Sprechen einer neuen Sprache macht nicht nur Spaß, sondern schützt auch die grauen Zellen. Erste Studien vermuten bereits, dass Menschen mit Fremdsprachenkenntnissen geistig länger fit bleiben und somit im Durchschnitt später an Demenz erkranken. Da soziale Kontakte als wichtiger Faktor gelten, um Demenz vorzubeugen, ist es hilfreich, möglichst viele Sprachen zu beherrschen.
Und jetzt sind Sie dran? Planen Sie auszuwandern oder lesen Sie unseren Blog bereits im Ausland? Wir freuen uns auf Ihre Geschichte.







