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	<title>Schauspiel Frankfurt Archive - 59plus</title>
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	<title>Schauspiel Frankfurt Archive - 59plus</title>
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		<title>Schauspiel Frankfurt: Tiefe Verbeugungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion 59plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Feb 2018 13:00:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur & Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Amphitryon]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am Schauspiel Frankfurt beschwört Andreas Kriegenburg Kleists „Amphitryon“. Von Mark Seebürger Frankfurt, 09. Februar 2018.   Was für ein auf vielen Ebenen beeindruckender Theaterabend! Bereits bei der ersten gemeinsamen Verbeugung brandet den Schauspielern sofort jubelnder Applaus entgegen. Zurecht! Das sechsköpfige großartige „Amphitryon“-Ensemble des Schauspiels Frankfurt verbeugt sich tief vor einem hörbar dankbaren Publikum. Welches Kleists mächtigen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Am Schauspiel Frankfurt beschwört <a href="https://www.59plus.de/andreas-kriegenburg-wie-viele-herzen-hast-du/">Andreas Kriegenburg</a> Kleists „Amphitryon“.</strong></p>
<p>Von Mark Seebürger</p>
<figure id="attachment_13181" aria-describedby="caption-attachment-13181" style="width: 286px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14584_amphitryon_hupfeld_1134a.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class=" td-modal-image wp-image-13181 size-medium" src="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14584_amphitryon_hupfeld_1134a-286x300.jpg" alt="Amphitryon - inszeniert von Andreas Kriegenburg am Schauspiel Frankfurt. Bildquelle: Birgit Hupfeld" width="286" height="300" srcset="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14584_amphitryon_hupfeld_1134a-286x300.jpg 286w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14584_amphitryon_hupfeld_1134a-768x805.jpg 768w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14584_amphitryon_hupfeld_1134a-977x1024.jpg 977w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14584_amphitryon_hupfeld_1134a-696x730.jpg 696w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14584_amphitryon_hupfeld_1134a-1068x1120.jpg 1068w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14584_amphitryon_hupfeld_1134a-401x420.jpg 401w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14584_amphitryon_hupfeld_1134a-1320x1384.jpg 1320w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14584_amphitryon_hupfeld_1134a-300x315.jpg 300w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14584_amphitryon_hupfeld_1134a-600x629.jpg 600w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14584_amphitryon_hupfeld_1134a.jpg 1831w" sizes="(max-width: 286px) 100vw, 286px" /></a><figcaption id="caption-attachment-13181" class="wp-caption-text">Amphitryon &#8211; inszeniert von Andreas Kriegenburg am Schauspiel Frankfurt. Bildquelle: Birgit Hupfeld</figcaption></figure>
<p><strong>Frankfurt, 09. Februar 2018.   Was für ein auf vielen Ebenen beeindruckender Theaterabend! Bereits bei der ersten gemeinsamen Verbeugung brandet den Schauspielern sofort jubelnder Applaus entgegen. Zurecht! Das sechsköpfige großartige „Amphitryon“-Ensemble des Schauspiels Frankfurt verbeugt sich tief vor einem hörbar dankbaren Publikum. Welches Kleists mächtigen Worten und der Schauspieler-Sprechkunst sowohl andächtig gelauscht als auch begeistert auf verspielten Wortwitz reagiert hatte.</strong></p>
<p>Regisseur Andreas Kriegenburg und sein fantastisches Ensemble, sowie die feinsinnige, verdichtete Dramaturgie von Marion Tiedtke haben sich inszenatorisch ehrfürchtig vor Heinrich von Kleists tragikomischem Verwechslungs-Lustspiel der Identitätssuche und -findung verbeugt. Die Hauptrolle an diesem hypnotischen Abend gehört Kleists berauschend-wehmütiger Bildsprache, deren Mächtigkeit und Schönheit die Schauspieler hingebungsvoll mittels glasklarer Gedankenfolge und Artikulation heraufbeschwören. Bei so viel Wertschätzung kann man nur mit rückhaltloser Begeisterung reagieren, die sich bereits beim Pausenapplaus andeutete.</p>
<h2>Nicht von dieser Welt</h2>
<p>Zu Aufführungsbeginn: Dunkelheit. Lärmende Straßengeräusche (Hupen, Sirenen, vorbeirasende Autos), die jäh abbrechen. Dann Stille. Der Eiserne Vorhang enthüllt das Bühnenbild von Harald B. Thor in Form zweier identischer, längs übereinander liegenden, zum Publikum hin offenen Betonwandröhren &#8211; die vertraute Welt von Flughafenterminal-Durchgängen und (Durch-)Reisenden. Fahles Licht flackert, das ferne Echo einzeln herabfallender Tropfen ist zu hören.</p>
<figure id="attachment_13182" aria-describedby="caption-attachment-13182" style="width: 144px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14590_amphitryon_hupfeld_2911a.jpg"><img decoding="async" class=" td-modal-image wp-image-13182 size-medium" src="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14590_amphitryon_hupfeld_2911a-144x300.jpg" alt="Amphitryon - inszeniert von Andreas Kriegenburg am Schauspiel Frankfurt. Bildquelle: Birgit Hupfeld" width="144" height="300" srcset="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14590_amphitryon_hupfeld_2911a-144x300.jpg 144w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14590_amphitryon_hupfeld_2911a-768x1596.jpg 768w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14590_amphitryon_hupfeld_2911a-493x1024.jpg 493w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14590_amphitryon_hupfeld_2911a-696x1446.jpg 696w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14590_amphitryon_hupfeld_2911a-202x420.jpg 202w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14590_amphitryon_hupfeld_2911a-300x623.jpg 300w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14590_amphitryon_hupfeld_2911a-600x1247.jpg 600w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14590_amphitryon_hupfeld_2911a.jpg 924w" sizes="(max-width: 144px) 100vw, 144px" /></a><figcaption id="caption-attachment-13182" class="wp-caption-text">Amphitryon &#8211; inszeniert von Andreas Kriegenburg am Schauspiel Frankfurt. Bildquelle: Birgit Hupfeld</figcaption></figure>
<p>In diese triste Transit-Untergrund-Realität tritt unten-seitlich der Diener des siegreichen Feldherrn Amphitryon Sosias (Christoph Pütthoff) auf, im grauen Lodenmantel gekleidet, Aktentasche tragend. Leise und behutsam erklingen die ersten Worte von Kleists Sprachwelt. Sie ist nicht von dieser Welt, aber es entsteht mit ihr ein akustisches, poetisches Paralleluniversum zur optischen Alltagsrealität.</p>
<p>Sosias ist beauftragt, Amphitryons Gattin Alkmene die Nachricht vom Sieg über die Athener zu überbringen und ihr die baldige Heimkehr Amphitryons anzukündigen. Sosias studiert eine spektakuläre Rede ein, um Alkmene zu beeindrucken und um sich als Nichtteilnehmer des Krieges dennoch mit Lorbeeren zu schmücken. Pütthoff gibt seinen Sosias als komödiantischen, hadernden, nervösen, anmaßenden Überforderten, sogar Alkmenes mögliche Antworten imitierend. In der oberen Röhre tritt parallel Sosias&#8217; Doppelgänger, der als Sosias verkleidete Gott Merkur (Sebastian Reiß), dagegen als weitaus selbst- und textsicherer Botschafter auf.</p>
<p>Zwischen ihnen entspinnt sich eine komödiantische Szene aus (a)synchronem Sprech-Spiel, bei welchem der obere Sosias die manipulative Oberhand behält. Der verkleidete Merkur steht Wache, da sein Herr, der himmlische Göttervater Jupiter (geschmeidig-bedrohlich: Fridolin Sandmeyer), in der Gestalt Amphitryons ein Schäferstündchen mit Alkmene hat und hält deswegen Sosias von seinem Auftrag ab. Als sich beide Sosias&#8217; schließlich gegenüberstehen, beharrt Merkur-Sosias darauf, der echte Sosias zu sein. Merkur provoziert, prügelt und peinigt Sosias, so dass dieser an sich selbst zweifelt und sich eingestehen muss, dass sein Gegenüber Sosias und er selbst Nicht-Sosias ist. Von Merkurs Stromstockstößen niedergestreckt, flieht der verwirrte Sosias.</p>
<figure id="attachment_13183" aria-describedby="caption-attachment-13183" style="width: 279px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14600_amphitryon_hupfeld_0106a.jpg"><img decoding="async" class=" td-modal-image wp-image-13183 size-medium" src="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14600_amphitryon_hupfeld_0106a-279x300.jpg" alt="Amphitryon - inszeniert von Andreas Kriegenburg am Schauspiel Frankfurt. Bildquelle: Birgit Hupfeld" width="279" height="300" srcset="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14600_amphitryon_hupfeld_0106a-279x300.jpg 279w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14600_amphitryon_hupfeld_0106a-768x825.jpg 768w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14600_amphitryon_hupfeld_0106a-953x1024.jpg 953w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14600_amphitryon_hupfeld_0106a-696x748.jpg 696w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14600_amphitryon_hupfeld_0106a-1068x1147.jpg 1068w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14600_amphitryon_hupfeld_0106a-391x420.jpg 391w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14600_amphitryon_hupfeld_0106a-1320x1418.jpg 1320w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14600_amphitryon_hupfeld_0106a-300x322.jpg 300w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14600_amphitryon_hupfeld_0106a-600x645.jpg 600w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14600_amphitryon_hupfeld_0106a.jpg 1787w" sizes="(max-width: 279px) 100vw, 279px" /></a><figcaption id="caption-attachment-13183" class="wp-caption-text">Amphitryon &#8211; inszeniert von Andreas Kriegenburg am Schauspiel Frankfurt. Bildquelle: Birgit Hupfeld</figcaption></figure>
<p>Als der heimkehrende Amphitryon von seiner noch berauschten Gattin Alkmene ein verwundertes „So früh zurück?!“ erfährt, entzündet sich Jupiters Intrige vergiftend in seinem Herzen und empfindet Amphitryon Alkmenes Ausruf fortan als „Wasser auf seiner Liebe Flammen“. Dieses Infragestellen der eigenen oder fremden Identität und gegenseitigen Treue, das Wankelmütige und Ungewisse, das Manipulative, das Hadern zwischen Ratio und Gefühl, die Versuche der Unterscheidung der erotischen Qualitäten des Liebhabers und der ehelichen Qualitäten des Ehepartners wird sich fortan mal heiter mal düster durch das ganze Stück ziehen und auch Amphitryon (Max Simonischek), Alkmene (Patrycia Ziolkowska) und deren Bedienstete und Sosias&#8217; Frau Charis (Friederike Ott) befallen und umtreiben. Das ist lange Zeit äußerst spannend und unterhaltsam, auch wenn Kriegenburg das übliche rasante Lustspiel-Tempo zum Wohle der Verständlichkeit der Kleist&#8217;schen Schachtelsätze merklich gedrosselt hat.</p>
<p>Das bedächtige Tempo tut der Faszination der Inszenierung jedoch nichts ab. Alles ist im Fluss: Da werden Sofa, Badewanne, Reisekoffer und Stühle per Laufbänder im Dunkeln oder farbig ausgeleuchtet heran- und wieder fortgefahren, finden sich wiederholende, Ausweglosigkeit widerspiegelnde Choreografien des Stillstands und Zwanghaften statt und häufen sich die Doppelungen.</p>
<h2>Starke Frauen, wankende Männer – voller Liebe</h2>
<figure id="attachment_13185" aria-describedby="caption-attachment-13185" style="width: 142px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14586_amphitryon_hupfeld_1407a.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class=" td-modal-image wp-image-13185 size-medium" src="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14586_amphitryon_hupfeld_1407a-142x300.jpg" alt="Amphitryon - inszeniert von Andreas Kriegenburg am Schauspiel Frankfurt. Bildquelle: Birgit Hupfeld" width="142" height="300" srcset="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14586_amphitryon_hupfeld_1407a-142x300.jpg 142w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14586_amphitryon_hupfeld_1407a-768x1620.jpg 768w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14586_amphitryon_hupfeld_1407a-485x1024.jpg 485w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14586_amphitryon_hupfeld_1407a-696x1468.jpg 696w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14586_amphitryon_hupfeld_1407a-199x420.jpg 199w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14586_amphitryon_hupfeld_1407a-300x633.jpg 300w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14586_amphitryon_hupfeld_1407a-600x1266.jpg 600w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14586_amphitryon_hupfeld_1407a.jpg 910w" sizes="auto, (max-width: 142px) 100vw, 142px" /></a><figcaption id="caption-attachment-13185" class="wp-caption-text">Amphitryon &#8211; inszeniert von Andreas Kriegenburg am Schauspiel Frankfurt. Bildquelle: Birgit Hupfeld</figcaption></figure>
<p>Neben Pütthoffs fahrig-verklemmtem Sosias und Reiß&#8217; vielseitigem Merkur ist Ott als resolute, verlockende Charis die Dritte im Komiktrio. In Sachen kämpferischer Stärke und verzweifelter Erschütterung steht ihr Ziolkowskas Alkmene in nichts nach. Überhaupt sind diese beiden Figuren das Stärke-Zentrum in Kleists Stück und sind diese beiden Schauspielerinnen die treibende Kraft in Kriegenburgs LIEBE-voller Inszenierung. Kriegenburg erfindet für seine voll-von-Liebe-Inszenierung immer wieder körperbetonte, tänzerische, choreografierte Szenen und scheut weder die feine Kleist-Ironie, noch eigene derbe Kalauer („ALK-mene“).</p>
<p>Größtenteils lässt Kriegenburg von fern Chöre erklingen und spielt an der sich dramatisch zuspitzenden „So früh zurück?!“-Stelle das musikalische und ominöse Zupfinstrumenten-Crescendo seines 2008 verstorbenen Leib-Bühnenkomponisten Laurent Simonetti ein. Über allem schwebt Erhabenheit, Andächtigkeit und Eleganz. Max Simonischek darf spielerisch die aufkommende Verzweiflung, Eifersucht und Wut seines Amphitryons lange unterdrücken oder nur kurz aufblitzen lassen, bis alles ungehalten und lodernd aus ihm herausbricht: „Fahr hin jetzt, Mäßigung, Liebe, Erinn&#8217;rung fahrt, und Glück und Hoffnung, hin. Fortan in Wut und Rache will ich schwelgen.“</p>
<h2>Die Gewissheit der Liebe.<strong> </strong></h2>
<p>Im letzten Akt geht es dann ans Eingemachte und kippt das manipulative Spiel von Jupiter und Merkur urplötzlich ins Brutale: Da werden die aufbegehrenden Geschundenen von den frustrierten, egomanischen Göttern an die Betonwände der Röhren geschleudert und von ihren jeweiligen echten Ehepartnern zu verscheuchen versucht. Da aber Jupiter erkennen muss, dass seine göttliche Macht der Gewissheit der Liebe letztlich nichts anhaben kann und Alkmene hör- und spürbar bezeugt, dass sie in Jupiters Verkleidung doch immer nur den wahren Amphitryon-Kern lieben wird, geben sich Merkur und Jupiter resigniert zu erkennen. „Auch der Olymp ist öde ohne Liebe!“, ist Jupiters kraftlose Erkenntnis, der sich dem Risiko ausgesetzt hat, die Beständigkeit der Liebe zu unterschätzen. Ermattet verspricht Jupiter Amphitryon und Alkmene dann noch mit dämonenhafter Stimme die Geburt des Herkules und schleicht von dannen.</p>
<figure id="attachment_13186" aria-describedby="caption-attachment-13186" style="width: 285px" class="wp-caption alignright"><a href="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14608_amphitryon_hupfeld_9950a.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class=" td-modal-image wp-image-13186 size-medium" src="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14608_amphitryon_hupfeld_9950a-285x300.jpg" alt="Amphitryon - inszeniert von Andreas Kriegenburg am Schauspiel Frankfurt. Bildquelle: Birgit Hupfeld" width="285" height="300" srcset="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14608_amphitryon_hupfeld_9950a-285x300.jpg 285w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14608_amphitryon_hupfeld_9950a-768x808.jpg 768w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14608_amphitryon_hupfeld_9950a-973x1024.jpg 973w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14608_amphitryon_hupfeld_9950a-696x732.jpg 696w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14608_amphitryon_hupfeld_9950a-1068x1124.jpg 1068w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14608_amphitryon_hupfeld_9950a-399x420.jpg 399w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14608_amphitryon_hupfeld_9950a-1320x1389.jpg 1320w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14608_amphitryon_hupfeld_9950a-300x316.jpg 300w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14608_amphitryon_hupfeld_9950a-600x631.jpg 600w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/02/14608_amphitryon_hupfeld_9950a.jpg 1825w" sizes="auto, (max-width: 285px) 100vw, 285px" /></a><figcaption id="caption-attachment-13186" class="wp-caption-text">Amphitryon &#8211; inszeniert von Andreas Kriegenburg am Schauspiel Frankfurt. Bildquelle: Birgit Hupfeld</figcaption></figure>
<p>Zurück bleiben am Boden liegend die äußerlich und innerlich lädierten Ehepartner, an ihre jeweiligen echten Geliebten gelehnt. Sie haben viel erdulden müssen. Es waren erbitterte Kämpfe. Sie tragen viele Wunden davon. Und nachdem sie in den Transitröhren mehrere Male auf den Laufbändern regelrecht auf der Stelle getreten waren, befinden sie sich jetzt in der Mitte des unteren Durchganges. Alkmene erwacht kurz aus ihrer Ohnmacht und sinkt mit einem erschöpften, seltsam monotonen, vielleicht auch enttäuschten „Ach“ an die Seite ihres blutenden Ampitryons zurück. Ob sie nun endlich angekommen sind, ob sie sich in entgegengesetzte Durchgangsrichtungen gehend von einander entfernen oder eine gemeinsame Richtung einschlagen werden, lässt die Inszenierung offen. Man wünscht es ihnen. Aus vollem Herzen!</p>
<h2>Heutige Liebes- und Identitäts-Anfeindungen, Liebesgeschenke ans Publikum</h2>
<p>Man merkt, dass Kriegenburg die Alltäglichkeit seiner gebrochenen Helden und Außenseiter fasziniert. Die grau-schwanzen, eleganten Kostüme von Andrea Schaad unterstreichen das Regiekonzept der Verortung ins Alltägliche und zeigen heutige Wohlstands-Businessmänner und -frauen. Es sind dadurch Assoziationen zu heutigen Großkonzern-Mächtigen und deren Untergebenen möglich. Amphitryon ist ein Rollkoffer-Soldat und Jupiter ist als falscher Amphitryon agiler Geschäftsmann auf dem Beziehungs-Sprung. Aber das „Herunterbrechen“ ins Alltägliche verdrängt nicht die Schönheit und Erhabenheit von Kleists Sprache; auch nicht die Thematik des Stücks: die Fragilität des „Ich“, die manipulativen Anfeindung von höheren, selbsternannten „Mächtigen“ und die dadurch mögliche Gefährdung der Liebe – aber auch die Betonung ihrer Stärke! Die Aktualisierung der Inszenierung hat es nicht nötig, zeitgenössische Politiker-Doubles auf die Bühne zu hieven – die Assoziationen zu heutigen Despoten stellen sich somit gekonnt subtil ein. Dass das Schauspiel Frankfurt mit dieser demütigen Interpretation einen Liebe-bejahenden, mahnend-optimistischen Kommentar gibt, ist Autorintention und Publikum wertschätzend und mutig zugleich.</p>
<p>Kriegenburg meinte einmal in einem Interview, dass Kleists Stücke inszenatorisch wahre Monster seien, aber auch das Schönste, was man als Regisseur inszenieren kann. Seine Liebe zu einem seiner Lieblingsautoren hat er in Frankfurt bewiesen!</p>
<p>Sein „Ampitryon“ am <a href="https://www.schauspielfrankfurt.de/">Schauspiel Frankfurt</a> ist das Schönste, was einem Zuschauer geschenkt werden kann! Meine tiefe dankbare Verbeugung dafür!</p>
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		<title>Andreas Kriegenburg: „Wie viele Herzen hast du?“</title>
		<link>https://www.59plus.de/andreas-kriegenburg-wie-viele-herzen-hast-du/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion 59plus]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Mar 2017 20:31:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Andreas Kriegenburg inszeniert am Schauspiel Frankfurt die deutsch-sprachige Erstaufführung von Patrick Marbers „Drei Tage auf dem Land“, eine Adaption von Iwan Turgenjews Stück „Ein Monat auf dem Lande“. Von Mark Seebürger, 05.03.2017 Alles ist Spiel Während die Zuschauer den Theatersaal betreten, ist auf der Bühne das Spiel bereits im Gange. Nicht nur das darstellerische Spiel, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Andreas Kriegenburg inszeniert am Schauspiel Frankfurt die deutsch-sprachige Erstaufführung von Patrick Marbers „Drei Tage auf dem Land“, eine Adaption von Iwan Turgenjews Stück „Ein Monat auf dem Lande“.</p>
<p>Von Mark Seebürger, 05.03.2017</p>
<h2>Alles ist Spiel</h2>
<figure id="attachment_4795" aria-describedby="caption-attachment-4795" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-4795" src="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-3-300x295.jpg" alt="&quot;Drei Tage auf dem Land&quot; - eine Inszenierung von Andreas Kriegenburg am Schauspiel Frankfurt. Bildquelle: Schauspiel Frankfurt" width="300" height="295" srcset="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-3-300x295.jpg 300w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-3-768x754.jpg 768w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-3-1024x1005.jpg 1024w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-3-696x683.jpg 696w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-3-1068x1048.jpg 1068w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-3-428x420.jpg 428w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-3-600x589.jpg 600w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-3.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-4795" class="wp-caption-text">&#8220;Drei Tage auf dem Land&#8221; &#8211; eine Inszenierung von Andreas Kriegenburg am Schauspiel Frankfurt. Bildquelle: Schauspiel Frankfurt</figcaption></figure>
<p>Während die Zuschauer den Theatersaal betreten, ist auf der Bühne das <em>Spiel</em> bereits im Gange. Nicht nur das darstellerische Spiel, sondern auch das Kartenspiel von Mutter Anna (Heike Ecks), dem alten englischen Hauslehrer Shepherd (Michael Benthin) und Annas Gesellschafterin Lisaweta (Verena Bukal). Die (Schau-)Spieler reizen und stechen auf vergnügte und unterhaltsame Weise aus, spielen einander aus, schummeln, lenken ab und lassen sich nicht in die Karten schauen. Dieses Leitmotiv des Stücks und der Inszenierung ist auch gleichzeitig das <em>Leid</em>motiv aller Figuren (Freunde, Lehrer, Nachbarn, Familienmitglieder, Affairen, Dienstboten), die sich in drückender Sommerhitze auf dem sichtlich verfallenen Landsitz des Gutsherrn Arkadij (Isaak Dentler) und seiner Frau Natalja (Franziska Junge) tummeln.</p>
<p>Es wird endlos palavert, offen miteinander geflirtet, erotisiert gerangelt, und das jeweilige langjährige oder neue Objekt der Begierde wird zu umarmen und festzuhalten versucht. Das ist äußerst amüsant und leicht-dahinperlend gespielt: nach Peter Schröders hochkomischem Auftritt als alter Nachbar Bolschinzow gab es Szenenapplaus, die Gesangs- und Musikeinlagen aller weiblichen und einiger männlichen Darsteller sind sehr harmonisch, die subtil-erotisch aufgeladene Spannung zwischen vielen Figuren ist fast greifbar. Doch alle Liebesaktionen und -versuche, von Kriegenburg gewohnt wunderschön subtil, exemplarisch, körperlich und augenzwinkernd komisch inszeniert, bleiben sichtlich belanglos und sind Ausdruck einer unter der perlenden Heiterkeit brodelnden tiefen Verzweiflung. Spätestens in der Nachtszene, wenn die unterdrückten und unbefriedigten Gefühle aller durch exzessiven Alkoholkonsum aufgerührt sind, bekommt die vermeintliche Land-Sommer-Flirt-Idylle tiefe Risse, blättert die Fassade ab wie die Farbe der Gutsbesitzwände.</p>
<h2>Angefüllte Leere, herzliche Kälte</h2>
<p>So wie der Gutsbesitz mit Dutzenden von Stühlen, Klavier und Lampen vollgestopft ist, so sind auch alle Figuren geradezu mit ihren unerfüllten Sehnsüchten und Frustrationen bis zum Bersten vollgestopft. Aggressionen und Handgreiflichkeiten bahnen sich ihre Wege und die Inszenierung nimmt langsam und subtil ihre Wende von der Liebeskomödie hin zum Liebesdrama. In all dieser inszenierten Seichtheit und dem verspielten Esprit wird dem zehnjährige Sohn Kolja (Ben Schmitt) als euphorisch-lebhaftes Wesen von den Erwachsenen „übel“ mitgespielt: er wird bespaßt, geherzt, ihm wird der Kopf herzlichst gestreichelt und gerubbelt, und es wird ihm statt seines alten Englischlehrers Shepherd der junge, attraktive Lehrerstudent Beljajew (Owen Peter Read) zur Seite gestellt, unter welchem Kolja begeistert seine Bereitschaft zum Lernen zeigt.</p>
<figure id="attachment_4796" aria-describedby="caption-attachment-4796" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-4796 size-medium" src="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-2-300x287.jpg" alt="&quot;Drei Tage auf dem Land&quot; wurde inszeniert von Andreas Kriegenburg im Schauspiel Frankfurt. Bildquelle: Schauspiel Frankfurt" width="300" height="287" srcset="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-2-300x287.jpg 300w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-2-768x734.jpg 768w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-2-1024x979.jpg 1024w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-2-696x665.jpg 696w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-2-1068x1021.jpg 1068w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-2-439x420.jpg 439w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-2-600x574.jpg 600w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-2.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-4796" class="wp-caption-text">&#8220;Drei Tage auf dem Land&#8221; wurde inszeniert von Andreas Kriegenburg im Schauspiel Frankfurt. Bildquelle: Schauspiel Frankfurt</figcaption></figure>
<p>Aber niemand kümmert sich wirklich um ihn und Unaufmerksamkeit und Verantwortungslosigkeit seiner Kontaktpersonen entlarven sich allmählich. Drastisch erkennbar wird dies in einer späteren Stuhlchoreografie, in welcher alle Erwachsenen zunächst nirgends „ihren Platz finden“ und dann, körperlich wie emotional unendlich weit von einander entfernt, Kolja von sich wegschieben, statt ihm auf ihren Knien sitzen lassend Trost und Nähe zu spenden. Der mehrfach verstoßene Kolja schießt auf die hartherzigen, egomanen Ignoranten mit seiner Spielzeugpistole – aber niemand wird getroffen, weil niemand betroffen ist. Ein in seiner Einfachheit höchst berührendes Bild; und vielleicht ein mahnender Zukunftskommentar des Regisseurs und der Autoren Iwan Turgenjew und Patrick Marber.</p>
<h2>Unaufgeregtes Betrachten, liebevolles Verständnis</h2>
<p>Doch trotz all des Leides, trotz Nataljas sarkastischer Töne, trotz vieler überschwänglicher Gefühlsausbrüche ist Kriegenburgs Inszenierung ungewöhnlich zurückhaltend, behutsam, schwebend, und ermöglichte mir als Zuschauer ein unaufgeregtes, distanziertes Betrachten der Vorgänge. Größtenteils konnte ich mich mit einem Resonanz-freudigen Publikum herzlich lachend oder schmunzelnd am Spiel des Ensembles und an den Wort- und Slapstickgags erfreuen. Und auch wenn ich mich beim gestrigen Aufführungsende irritierend ruhig, wenn auch etwas leer fühlte, wühlten mich heute die Nöte und das Scheitern der Figuren dann doch sehr auf und stellen existentielle Fragen auf &#8211; ein unerwarteter nachhaltiger Eindruck des Stückes und von Kriegenburgs zärtlicher, verständnisvoller Sicht- und Fühlweise auf die Situation der Figuren.</p>
<h2>Was bleibt ist das Herz</h2>
<figure id="attachment_4792" aria-describedby="caption-attachment-4792" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-4792" src="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-1-300x287.jpg" alt="Premiere der Andreas Kriegenburg Inszenierung: &quot;Drei Tage auf dem Land&quot;. Bildquelle: Schauspiel Frankfurt" width="300" height="287" srcset="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-1-300x287.jpg 300w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-1.jpg 1920w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-1-768x734.jpg 768w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-1-1024x979.jpg 1024w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-1-696x665.jpg 696w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-1-1068x1021.jpg 1068w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-1-439x420.jpg 439w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-1-1320x1262.jpg 1320w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2017/03/Drei-Tage-auf-dem-Land-1-600x573.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-4792" class="wp-caption-text">Premiere der Andreas Kriegenburg Inszenierung: &#8220;Drei Tage auf dem Land&#8221;. Bildquelle: Schauspiel Frankfurt</figcaption></figure>
<p>Nachdem jeglicher Betrug und alle Verstrickungen, Lügen und Illusionen aufgedeckt sind, nachdem in einer erschütternd dramatischen Szene ihrer forciert-medizinischen Ruhigstellung Natalja schluchzend am Boden liegt, nachdem der von vielen begehrte Beljajew ohne Ankündigung das Gut verlassen hat und somit auch keine Gefahr mehr bedeutet, widmet sich der alte englische Hauslehrer Shepherd wieder seinem Schüler Kolja, indem er ihm das Kartenspielen (!) beibringen will. „Lass dir nicht in die Karten gucken! Wie viele Herzen hast du?“, fragt er Kolja. „Drei? Die wirst du auch brauchen!“ &#8211; derweil daneben die tieftraurige, vielleicht traumatisierte Natalja unbeachtet „zwischen den (verteilt aufgestellten) Stühlen“ umherirrt. Ein skeptischer, aber nicht pessimistischer Kommentar gegenüber der heutigen Liebes-, Lern- und Risikobereitschaft in Zeiten von Totalerfüllung-versprechender Partnervermittlungen.</p>
<p>Braucht es tatsächlich drei Herzen, um in der heutigen Gesellschaft und in Liebesbeziehungen standhalten zu können? Reicht ein Herz, um das man sich aber, egal ob monogam oder promiskuitiv lebend, stets selbst- und fremdfürsorglich kümmern sollte? Wie ist es mit der Balance zwischen Verstand und Herz bestimmt?</p>
<p>Das Herz dieser Fragen-in-der-Schwebe-haltenden Inszenierung scheint mir ein <em>leises</em> pochendes zu sein – aber ein immerhin <em>noch pochendes</em>!</p>
<p>Teilweise jubelnder Applaus mit einzelnen Standig Ovations für die beachtliche Ensembleleistung, das tolle Schauspieler-Theater, für die frisch-aktualisierte Modernisierung durch den Autor Patrick Marber und für eine behutsam-zärtliche Regie.</p>
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