<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Autor Archive - 59plus</title>
	<atom:link href="https://www.59plus.de/tag/autor/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.59plus.de/tag/autor/</link>
	<description>59plus ist das erste digitale General Interest Portal für Senioren und deren Kindergeneration (35+).</description>
	<lastBuildDate>Fri, 29 May 2020 06:04:59 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.8.3</generator>

<image>
	<url>https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2024/12/59-512x512-1-100x100.png</url>
	<title>Autor Archive - 59plus</title>
	<link>https://www.59plus.de/tag/autor/</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Sven Kuntze: &#8220;Ich bin ein großer Freund der Verdrängung.&#8221;</title>
		<link>https://www.59plus.de/sven-kuntze-ich-bin-ein-grosser-freund-der-verdraengung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anja Karrasch]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 May 2020 06:00:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur & Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Alter]]></category>
		<category><![CDATA[Autor]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Rückblick]]></category>
		<category><![CDATA[Ruhestand]]></category>
		<category><![CDATA[Sven Kuntze]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.59plus.de/?p=57298</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Journalist und TV-Moderator Sven Kuntze beschäftigt sich seit seinem Ruhestand 2007 mit der Frage, wie gutes Leben im Alter gelingen kann. Davor berichtete er für den WDR aus Bonn, New York und Washington, moderierte ab 1993 das ARD-Morgenmagazin und ging mit dem Regierungsumzug nach Berlin, wo er als Hauptstadtkorrespondent arbeitete. Nach seinem Bestseller &#8220;Altern [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.59plus.de/sven-kuntze-ich-bin-ein-grosser-freund-der-verdraengung/">Sven Kuntze: &#8220;Ich bin ein großer Freund der Verdrängung.&#8221;</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.59plus.de">59plus</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Journalist und TV-Moderator Sven Kuntze beschäftigt sich seit seinem Ruhestand 2007 mit der Frage, wie gutes Leben im Alter gelingen kann. Davor berichtete er für den WDR aus Bonn, New York und Washington, moderierte ab 1993 das ARD-Morgenmagazin und ging mit dem Regierungsumzug nach Berlin, wo er als Hauptstadtkorrespondent arbeitete. Nach seinem Bestseller &#8220;Altern wie ein Gentleman&#8221; schreibt er in seinem neuen Buch humorvoll, lebensklug und unterhaltsam über seine Erfahrungen mit dem achten Lebensjahrzehnt. Wir haben mit ihm in einem längeren Telefongespräch über die Versäumnisse seiner Generation und das Suhlen im Augenblick gesprochen.</strong></p>
<h2>Herr Kuntze, die aktuelle Krise ausgelöst durch das Coronavirus verändert unser Leben und unsere Gesellschaft. Ist die Verdrängung in schwierigen Zeiten ein guter Ratgeber?</h2>
<p>Ich bin seit Langem ein großer Freund der Verdrängung. Als ich studiert habe, hatte die Verdrängung aufgrund der nur flüchtigen Freud-Lektüre eine unglaublich schlechte Presse. Wer verdrängte, galt damals schon fast als straffällig. In der Zwischenzeit bin ich reifer geworden und habe Siegmund Freud und andere genauer gelesen und denke, dass die Verdrängung eine der kostbarsten psychischen Mechanismen ist. Ohne Verdrängung ist alles nichts.</p>
<h2>In ihrem neuen Buch &#8220;Alt sein wie ein Gentleman&#8221; beschreiben Sie, was Ihrer Meinung nach hilft gegen die Widrigkeiten des Alters: Hoffnung, Vergessen, Verdrängung, Ablenkung und Gottvertrauen.</h2>
<p>Wenn man denn noch welches hat, das ist nun leider abhanden gekommen.</p>
<h2>Bedauern Sie das Herr Kuntze?</h2>
<p>Wenn man sich diese christliche Geschichte anschaut, von einem Menschen, der damals wie viele andere ans Kreuz geschlagen wurde und die natürlich von allerhöchster Unwahrscheinlichkeit ist, was viele religiöse Entwürfe an sich haben. Aber das ausgerechnet diese Geschichte diese unendliche Kraft entwickelt hat, hat was mit dem Bedürfnis der Menschen nach den mit dem Christentum verbundenen Merkmalen zu tun. Und das ist uns leider abhandengekommen. Wir werden uns wohl nach Ersatz umschauen müssen, denn ohne wird es auf Dauer nicht gehen können.</p>
<h2>Das wird in Zeiten wie jetzt deutlich, in der Unsicherheit und Angst zum täglichen Begleiter werden.</h2>
<p>Die Chance, in absehbarer Zeit zu sterben, ist größer geworden. Das ist ein unangenehmer Gedanke. Man kann anfangen, darüber nachzudenken, wenn es so sein soll, dann lass mich meine Sachen in Ordnung bringen. Habe ich aber auch keine Lust zu. Da lebe ich lieber im Augenblick, solange es noch möglich ist. Und freue mich darüber, dass draußen schönes Wetter ist und meine Balkonpflanzen in Ordnung sind. Ich habe noch nicht die Phase erreicht, wo ich sage, es ist an der Zeit, meine Hinterlassenschaft zu klären.</p>
<figure id="attachment_57303" aria-describedby="caption-attachment-57303" style="width: 643px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2020/05/Kuntze_Alt-sein-wie-ein-Gentleman.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="wp-image-57303 size-large" src="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2020/05/Kuntze_Alt-sein-wie-ein-Gentleman-643x1024.jpg" alt="&quot;Alt sein wie ein Gentleman&quot; - Sven Kuntze schreibt in seinem Buch über seinen Blick auf das Alter. Bildquelle: © C. Bertlsmann Verlag" width="643" height="1024" srcset="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2020/05/Kuntze_Alt-sein-wie-ein-Gentleman-643x1024.jpg 643w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2020/05/Kuntze_Alt-sein-wie-ein-Gentleman-188x300.jpg 188w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2020/05/Kuntze_Alt-sein-wie-ein-Gentleman-768x1224.jpg 768w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2020/05/Kuntze_Alt-sein-wie-ein-Gentleman-964x1536.jpg 964w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2020/05/Kuntze_Alt-sein-wie-ein-Gentleman-696x1109.jpg 696w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2020/05/Kuntze_Alt-sein-wie-ein-Gentleman-1068x1702.jpg 1068w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2020/05/Kuntze_Alt-sein-wie-ein-Gentleman-264x420.jpg 264w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2020/05/Kuntze_Alt-sein-wie-ein-Gentleman-300x478.jpg 300w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2020/05/Kuntze_Alt-sein-wie-ein-Gentleman-600x956.jpg 600w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2020/05/Kuntze_Alt-sein-wie-ein-Gentleman.jpg 1205w" sizes="(max-width: 643px) 100vw, 643px" /></a><figcaption id="caption-attachment-57303" class="wp-caption-text">&#8220;Alt sein wie ein Gentleman&#8221; &#8211; Sven Kuntze schreibt in seinem Buch über seinen Blick auf das Alter. Bildquelle: © C. Bertlsmann Verlag</figcaption></figure>
<h2>Wann kam bei Ihnen der Tag, dass Sie sich eingestanden haben &#8216;Ich bin alt&#8217;?</h2>
<p>Das ist noch gar nicht so lange her. Es war auch kein einmaliges Erlebnis, sondern man merkt, dass man schwächer wird. Man geht in den Park zum Joggen und plötzlich wird man ständig überholt. Man ist erschöpfter, man geht langsamer die Treppen hoch. Man verlegt ständig Dinge, die Muskeln werden schwächer, die Glieder werden steifer, es ist eine ganze Armada von kleinen Schwächen, die auf einen zukommt.</p>
<h2>Sie schreiben, im Alter radikalisiert sich das Leben. Was meinen Sie damit?</h2>
<p>Wenn man gesund und jung ist, spürt man den Leib im normalen Leben nicht. Er tut seine Pflicht, trägt mich die Treppe hoch und runter und beim Joggen durch den Park. Im Alter radikalisiert er sich insofern, dass er sich oft bemerkbar macht in Form von Schwächen. Aus dem gemächlichen und spurlosen vor sich hin existieren wird plötzlich eine Anstrengung.</p>
<h2>Ihr erstes Buch „Altern wie ein Gentleman“ schreiben Sie über Ihr Leben in der siebten Dekade. Da waren Sie noch sehr aktiv.</h2>
<p>Ja, da habe ich Inlineskaten gemacht und auf Surfbrettern gestanden. Ich war als Empfänger einer Rente, mit der es sich gut auskommen lässt und der unendlichen Menge an Zeit, gut dabei. In der achten Dekade hörte alles plötzlich auf. Alles, was ich oben beschrieben habe und Tennis spielen oder Skifahren. Alles mäßig, weil ich unsportlich bin, aber mit großer Begeisterung. Das musste ich alles aufgeben. Nur noch Spazierengehen und gelegentlich – aber auch nur, wenn der Park bei mir um die Ecke nicht zu voll ist – mit kleinen Trippelschritten joggen.</p>
<h2>Sie haben eine erfolgreiche journalistische Karriere hingelegt und sind Sie in der ganzen Welt herumgekommen. Spielt das für Sie jetzt noch eine Rolle?</h2>
<p>Das habe ich hinter mir gelassen. Wissen Sie, ich sitze nicht im Lehnstuhl und träume von vergangenen Heldentaten. Wenn ich alte Kollegen treffe oder sogar jemand Jüngeren finde, der bereit ist, zuzuhören, dann erzähle ich, wie toll alles früher war und dann kommen die Erinnerungen als Gesprächsgegenstand wieder auf. Aber man lebt nicht in Erinnerungen. Das würde das Leben im Augenblick ziemlich unerträglich machen. Weil die Differenz zwischen dem, was man mal gemacht hat und konnte und dem, was man im Augenblick noch machen kann und darf immer größer und spürbarer wird. Davon würde ich abraten.</p>
<h2>Zurückgeschaut haben Sie aber in Ihrem Buch „Die schamlose Generation“. Darin rechnen Sie mit Ihrer eigenen Generation ab. Was hat sie falsch gemacht?</h2>
<p>Das ist eine Enttäuschung, nämlich meine Generation, mich eingeschlossen. Wir sind mit großem Anspruch und unbescheiden und sehr laut auf die Bühne getreten. Mit Demonstrationen und großen Anschuldigungen und haben Schuldgefühle generiert bei unseren Eltern. Und dann hat uns die Weltgeschichte eine Reihe komplizierter Aufgaben zugeteilt. Und eine davon ist der Klimawandel, der voll unser Thema gewesen wäre. Das Bizarre ist ja, dass man 1992 auf dem großen UN-Klimagipfel in Rio de Janeiro genau wusste, was man hätte machen müssen, nämlich den CO2-Ausstoß zu reduzieren, um ihn aufzuhalten. Stattdessen haben wir noch mehr rausgepustet.</p>
<h2>Was noch?</h2>
<p>Oder anstatt beim Italiener um die Ecke Spaghetti zu essen und Rotwein zu trinken, hätten wir uns um die Integration der Gastarbeiter kümmern müssen. Wir haben eine riesige Staatsverschuldung aufgehäuft, wir haben zu wenige Kinder in die Welt gesetzt. Es gab ja die Wirtschaftstheorie der sozialen Marktwirtschaft, die wir achtlos zur Seite gelegt und den Kommunismus gefordert haben. Ich komme aus anständigem Haus, würde meine Mutter sagen. Ich war eine Zeit lang Kommunist. Ich muss nicht alle Tassen im Schrank gehabt haben. Darüber denke ich heute manchmal nach, wie ich dazu gekommen bin. Das war keine rationale und intellektuell fundierte Entscheidung, sondern einfacher Herdentrieb. Das ist eine ganze Menge, was wir nicht in die Tat umgesetzt haben. Deshalb bin ich mit meiner Generation ziemlich unzufrieden. Aber jetzt ist es zu spät und wir sind gut beraten, uns nicht mehr allzu intensiv einzumischen, weil es nicht mehr unsere Zukunft ist, sondern die unserer Kinder und Enkel.</p>
<figure id="attachment_57300" aria-describedby="caption-attachment-57300" style="width: 683px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2020/05/Kuntze-©-Benjamin-Zibner_klein.jpg"><img decoding="async" class="wp-image-57300 size-large" src="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2020/05/Kuntze-©-Benjamin-Zibner_klein-683x1024.jpg" alt="Sven Kuntze blickt in seinem aktuellen Buch ehrlich und kritisch auf das Alter. Bildquelle: © Benjamin Zibner" width="683" height="1024" srcset="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2020/05/Kuntze-©-Benjamin-Zibner_klein-683x1024.jpg 683w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2020/05/Kuntze-©-Benjamin-Zibner_klein-200x300.jpg 200w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2020/05/Kuntze-©-Benjamin-Zibner_klein-768x1152.jpg 768w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2020/05/Kuntze-©-Benjamin-Zibner_klein-1024x1536.jpg 1024w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2020/05/Kuntze-©-Benjamin-Zibner_klein-696x1044.jpg 696w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2020/05/Kuntze-©-Benjamin-Zibner_klein-1068x1602.jpg 1068w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2020/05/Kuntze-©-Benjamin-Zibner_klein-280x420.jpg 280w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2020/05/Kuntze-©-Benjamin-Zibner_klein-300x450.jpg 300w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2020/05/Kuntze-©-Benjamin-Zibner_klein-600x900.jpg 600w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2020/05/Kuntze-©-Benjamin-Zibner_klein.jpg 1280w" sizes="(max-width: 683px) 100vw, 683px" /></a><figcaption id="caption-attachment-57300" class="wp-caption-text">Sven Kuntze blickt in seinem aktuellen Buch ehrlich und kritisch auf das Alter. Bildquelle: © Benjamin Zibner</figcaption></figure>
<h2>Ihre Kritik ist damals nicht gut angekommen.</h2>
<p>Überhaupt nicht. Ich habe Lesungen gemacht und da gab es immer Diskussionen und Rabatz. Mir wurde vorgeworfen, von der ganzen Generation zu reden, sei eine unzulässige Verallgemeinerung. Es hat keine ruhige Diskussion gegeben, sondern nur Abwehr. Der Einzige, der das gut fand, war Volker Kauder von der CDU, der mich anrief und sagte „Herr Kuntze, da haben Sie wohl recht“.</p>
<h2>Ihr aktuelles Buch widmet sich auch einem unbeliebten Thema. Das Alter wird in unserer Gesellschaft überwiegend verdrängt. Sie zitieren in Ihrem Buch einige Philosophen wie Schopenhauer, der gesagt hat, er wäre schon zufrieden, wenn ihm Gesundheit, Heiterkeit und Gemütsruhe gelängen. Wie stehen Sie dazu?</h2>
<p>Das ist eine ganze Menge. Die Gemütsruhe, dass Sie sich nicht mehr aufregen, dass Sie nicht mehr konkurrieren, dass Sie nicht mehr fleißig, präzise und pünktlich sein wollen. Das alles hat man im Alter abgebaut. Gesundheit ist ohnehin wichtig und Heiterkeit in Richtung Freude. Sich an den kleinen Dingen freuen. Heiter ist, wenn man sich an den Vöglein draußen erfreuen kann oder dass die Rosen gerade blühen. Das ist die Triade dessen, was man erreichen will.</p>
<h2>Was haben Sie erreicht?</h2>
<p>Was die Gesundheit betrifft, bin ich ein totaler Versager. Ich habe schon mehrfach am Rande des Abgrunds gestanden.</p>
<h2>2011 wurde bei Ihnen ein gutartiger Hirntumor diagnostiziert.</h2>
<p>Dazu kamen noch eine Herzklappenoperation und noch viele andere Dinge mehr. Ich glaube, was mir gelungen ist, all die Dinge, die einen bedrängen wie Karriere, Konkurrenz und Stress, dass ich dass gut zur Seite gelegt habe. Und dann hat mir der Herrgott ein leicht naives und heiteres Gemüt geschenkt. Ich neige weder zum Tiefsinn noch zur Depression als Dauerzustand. Insofern bin ich, was Gemütsruhe und Heiterkeit betrifft, ganz gut beschenkt worden.</p>
<h2>Mit den Dingen, die nicht so gut gelungen sind im Leben nicht zu hadern, ist sicher eine Herausforderung.</h2>
<p>Was die Gesundheit betrifft, bin ich manchmal wütend. Dann gehe ich auf die Straße und begegne jemanden in meinem Alter, der gesund aussieht und dann denke, warum bist du gesund und ich nicht? Dann habe ich einen Schuss von Bitterkeit, aber das vergeht auch wieder.</p>
<h2>Sie schreiben, Abschied haben wir nicht gelernt. Warum?</h2>
<p>Wir sind immer gerne angekommen, sind überall in der Weltgeschichte umhergefahren und haben von vielen Dingen genascht, von politischen oder religiösen Ideen wie den Kommunismus oder den Buddhismus. Wir waren wie kleine Kolibris. Abschied nehmen ist ein tieferes Gefühl und sich vergegenwärtigen, dass wir im weiteren Leben keine Rolle spielen werden, was mit Engagement und einer tieferen Verbindlichkeit einhergeht, wenn man ehrlich ist.</p>
<h2>Ehrlich zu sich selbst zu sein, verdient Respekt.</h2>
<p>Schonungslose Ehrlichkeit gegenüber sich selbst ist auch eine gefährliche Sache. Man würde sich eingestehen, mit seinen Begabungen nichts angefangen zu haben. Man kann zu Erkenntnissen kommen, die im Alter bedrängend und belastend sind. Weil man nichts mehr ändern kann und niemanden dafür verantwortlich machen kann. Deswegen wäre ich immer vorsichtig mit Schonungslosigkeit gegenüber der eigenen Vergangenheit.</p>
<h2>Sich selbst gegenüber wohlwollend und verzeihend sein ist also wichtig?</h2>
<p>Wohlwollend und vorsichtig und wenn man in dunklen Ecken rumstöbert, das lieber sein zu lassen. Das hat da 30 Jahre gut rumgelegen, da muss ich jetzt nicht aufräumen.</p>
<h2>Und sich lieber daran erfreuen, dass Frühling ist.</h2>
<p>Der Augenblick hat ja nach allgemeinem Dafürhalten keinen so guten Ruf, weil er flüchtig und kein guter Begleiter ist, wenn man hätte Karriere machen wollen. In jüngeren Jahren. Aber jetzt, wo wir älter sind, können wir uns im Augenblick suhlen. Bei all den Dingen, die ich über das Alter gelernt habe, neben den negativen, ist, dass das Leben im Augenblick wirklich herrlich ist. Unsinn reden, ein Stück Kuchen essen, einen kleinen Spaziergang machen, einfach wunderbar!</p>
<p>Vielen Dank für das Gespräch!</p>
<p>Das Buch <a href="https://hansenkroeger.buchhandlung.de/shop/quickSearch?searchString=Sven%20Kuntze">&#8220;Alt sein wie ein Gentleman&#8221;</a> können Sie online für 20,00 € versandkostenfrei bei der Buchandlung Hansen &amp; Kröger bestellen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.59plus.de/sven-kuntze-ich-bin-ein-grosser-freund-der-verdraengung/">Sven Kuntze: &#8220;Ich bin ein großer Freund der Verdrängung.&#8221;</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.59plus.de">59plus</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Anselm Grün: „Es ist wichtig, auf sich selbst zu hören“</title>
		<link>https://www.59plus.de/anselm-gruen-es-ist-wichtig-auf-sich-selbst-zu-hoeren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anja Karrasch]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Jan 2020 03:00:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur & Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Anselm Grün]]></category>
		<category><![CDATA[Autor]]></category>
		<category><![CDATA[Benediktiner]]></category>
		<category><![CDATA[Glück]]></category>
		<category><![CDATA[moderner Mönch]]></category>
		<category><![CDATA[Mönch]]></category>
		<category><![CDATA[Pater]]></category>
		<category><![CDATA[Sinnsucher.de]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.59plus.de/?p=35421</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Benediktinerpater Anselm Grün ist einer der meistgelesenen deutschen Autoren der Gegenwart, der mit seinen Büchern und Schriften über Spiritualität Alltagsfragen und Lebenskunst Millionen von Menschen erreicht. Auch als Referent oder in seinen Videoseminaren sucht er den direkten Kontakt mit den Menschen, ihren Sorgen und Bedürfnissen. Grüß Gott Pater Anselm Grün, das aktuelle Thema Ihres [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.59plus.de/anselm-gruen-es-ist-wichtig-auf-sich-selbst-zu-hoeren/">Anselm Grün: „Es ist wichtig, auf sich selbst zu hören“</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.59plus.de">59plus</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Benediktinerpater Anselm Grün ist einer der meistgelesenen deutschen Autoren der Gegenwart, der mit seinen Büchern und Schriften über Spiritualität Alltagsfragen und Lebenskunst Millionen von Menschen erreicht. Auch als Referent oder in seinen Videoseminaren </strong><strong>sucht er den direkten Kontakt mit den Menschen, ihren Sorgen und Bedürfnissen. </strong></p>
<h2>Grüß Gott Pater Anselm Grün, das aktuelle Thema Ihres <a href="https://www.59plus.de/wissen-und-neue-impulse-durch-ein-webinar/">Videoseminars</a> auf der Plattform <a href="https://www.sinnsucher.de/">www.sinnsucher.de</a> lautet „Für sich und andere sorgen“. Warum gerade das Thema?</h2>
<p>Ausgehend vom typisch amerikanischen Slogan <a href="https://www.sinnsucher.de/kurs/fuer-sich-und-andere-sorgen">„Sorge dich nicht, lebe“</a> geht es darum, überhaupt über die Sorge nachzudenken. Es gibt einmal die ängstliche Sorge und es gibt die Fürsorge, ohne die wir nicht leben können. Es geht auch um die Frage, wie ich die ängstliche Sorge in eine liebende umwandeln kann. Und darum, wenn ich für andere sorge, ob für die Kinder oder die Eltern, dass ich auch gut für mich selbst sorgen muss. Es muss ein gutes Gleichgewicht sein zwischen der Sorge für sich selbst und andere.</p>
<figure id="attachment_17231" aria-describedby="caption-attachment-17231" style="width: 696px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/07/Webinar-1.jpg"><img decoding="async" class=" td-modal-image wp-image-17231" src="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/07/Webinar-1-300x189.jpg" alt="Auch Pater Anselm Grün können Sie in Form eines Webinars zuhause erleben. Bildquelle: shutterstock.com" width="696" height="438" srcset="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/07/Webinar-1-300x189.jpg 300w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/07/Webinar-1-768x484.jpg 768w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/07/Webinar-1-696x438.jpg 696w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/07/Webinar-1-667x420.jpg 667w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/07/Webinar-1-600x378.jpg 600w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/07/Webinar-1.jpg 1000w" sizes="(max-width: 696px) 100vw, 696px" /></a><figcaption id="caption-attachment-17231" class="wp-caption-text">Auch Pater Anselm Grün können Sie in Form eines Webinars zuhause erleben. Bildquelle: shutterstock.com</figcaption></figure>
<h2>Was erfahren die Teilnehmer konkret bei Ihrem Videoseminar?</h2>
<p>Dass sie auf ihre eigene Gefühle hören sollen. Wenn ich spüre, dass die Sorge für andere auch mir guttut, dann spüre ich das Leben, weil ich innerlich glücklich bin und das Leben fließt. Wenn aber Gefühle da sind, wie sich ausgenutzt fühlen, Arger oder Gereiztheit, dann ist das ein Impuls für mich selbst gut zu sorgen, sonst wird meine Sorge mich immer aggressiver und unzufriedener machen.</p>
<h2>Das heißt, die Teilnehmer können Ihrem Vortrag zuhören und lernen Übungen, mit denen sie diesen Prozess begleiten können?</h2>
<p>Die Übungen sind Rituale, die dabei helfen, mit sich selbst in Berührung und in die eigene Mitte zu kommen. Das ist wichtig, wenn ich für andere sorge, dass ich mich selbst spüre. Rituale schaffen eine heilige Zeit. Eine heilige Zeit ist die Zeit, die nur mir gehört und die herausgenommen ist aus den Ansprüchen der Anderen. Und es ist ganz wichtig, das Gefühl zu haben, selbst zu leben, anstatt gelebt zu werden.</p>
<h2>Sie unterstützen die Menschen mit Ihren Büchern und in Ihren Vorträgen auch dabei, mit Krisen umzugehen. Haben Sie den Eindruck, dass unsere Zeit die Menschen besonders herausfordert?</h2>
<p>Natürlich, das Leben ist nicht mehr so stabil. Es ist durch viele äußere und innere Krisen geprägt. Viele Menschen spüren, dass ihre Seele nicht mehr so stabil ist. Es gibt Krisen bei der Arbeit, Krisen in der Partnerschaft oder in den Familien. Die Menschen sind verunsichert und wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Ich habe keine Patentrezepte, sondern sage, es ist wichtig, auf sich selbst zu hören. Für mich ist wichtig, dass die Menschen auf die Weisheit ihrer eigenen Seele hören und sich nicht abhängig machen von äußeren Ratschlägen.</p>
<figure id="attachment_35425" aria-describedby="caption-attachment-35425" style="width: 684px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Pater-Anselm-Totale.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class=" td-modal-image wp-image-35425 size-large" src="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Pater-Anselm-Totale-684x1024.jpg" alt="" width="684" height="1024" srcset="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Pater-Anselm-Totale-684x1024.jpg 684w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Pater-Anselm-Totale-200x300.jpg 200w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Pater-Anselm-Totale-768x1150.jpg 768w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Pater-Anselm-Totale-696x1042.jpg 696w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Pater-Anselm-Totale-1068x1600.jpg 1068w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Pater-Anselm-Totale-280x420.jpg 280w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Pater-Anselm-Totale-300x449.jpg 300w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Pater-Anselm-Totale-600x899.jpg 600w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Pater-Anselm-Totale.jpg 1282w" sizes="auto, (max-width: 684px) 100vw, 684px" /></a><figcaption id="caption-attachment-35425" class="wp-caption-text">Pater Anselm schaut mit 73 Jahren sehr gelassen auf das Alter. Bildquelle: © Florian Zimmermann</figcaption></figure>
<h2>Es geht um die Frage des Glücklichseins und in seiner Mitte anzukommen. Was ist für Sie Glück?</h2>
<p>Glück heißt einmal, im Einklang mit sich selbst zu sein, sowie das Gefühl, dass mein Leben Frucht bringt für andere. Und wenn es Frucht bringt, bin ich dafür dankbar. Ich bin vorsichtig, von Glück zu sprechen. Ich würde eher von Dankbarkeit sprechen. Es gibt ja den Spruch, ich bin nicht dankbar, weil ich glücklich bin, sondern ich bin glücklich, weil ich dankbar bin. Zur Dankbarkeit gehört, was Gott mir geschenkt hat, meine Gesundheit, meine Freunde, die Familie usw. Dankbarkeit verwandelt auch mein Gefühl für Glück, wozu das Fließen gehört, das Fließen des Lebens. Wer das Glück nur besitzen will, an dem geht’s vorbei.</p>
<h2>Dieses Fließen, wie kann ich das herstellen? Das ist wahrscheinlich die Kunst des Lebens &#8230;</h2>
<p>Ein anderes Wort für Fließen ist Hingabe. Wenn ich hingebungsvoll arbeite, wenn ich mich ganz einlasse auf ein Gespräch &#8211; das ist das, was Jesus sagt, Freisein vom eigenen Ich &#8211; und mich ganz auf den Augenblick einlasse und beim anderen bin, dann habe ich das Gefühl, das Leben fließt. Dann ist es gut so.</p>
<h2>Sie sind gerade auch in Asien ein bekannter und gefragter Autor und Referent. Was unterscheidet den asiatischen Kulturkreis beim Älterwerden oder bei der Reise des Lebens im Vergleich zu Europa?</h2>
<p>Für die Asiaten sind die Beziehungen ganz wichtig, auch die Familie. Es gibt dort wenige Pflegeheime, sondern dort versucht die Familie präsent zu sein und für die alten Menschen zu sorgen. Die Beziehungsebene ist wesentlich wichtiger als bei uns in Deutschland, wo die Gesellschaft sehr individualisiert worden ist.</p>
<h2>Was würden Sie sagen, sind die drängendsten Fragen der Menschen, die zu Ihnen kommen und Unterstützung suchen?</h2>
<p>Die wichtigsten Fragen sind: Wie gehe ich mit dem Druck von außen um? Viele haben Angst, dem Druck nicht standzuhalten. Sie sorgen sich um ihre Zukunft, ob sie ihr Leben schaffen. Andere Sorgen sind die Beziehungen zu den Kindern, den Enkeln usw. Natürlich auch die Angst: Wie werde ich im Alter leben? Werde ich pflegebedürftig sein? Wie gehe ich damit um? Angst ist ein wichtiges Thema und dass man sich Sorgen macht um seine Zukunft.</p>
<p>Wie kann ich gut für mich sorgen, also nicht nur finanziell, sondern auch, dass ich gut alt werde, indem ich in Berührung mit mir selber bin. Vielen Älteren geht es nicht gut, weil sie ganz in der Arbeit aufgegangen sind, sich definiert haben in ihrer Rolle und zu wenig bei sich selber waren. Fürs gute Altwerden muss man sich spüren, mit sich selbst in Berührung sein.</p>
<figure id="attachment_35424" aria-describedby="caption-attachment-35424" style="width: 696px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Pater-Anselm-Querformat.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class=" td-modal-image wp-image-35424 size-large" src="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Pater-Anselm-Querformat-1024x684.jpg" alt="Pater Anselm Grün ist nicht nur einer der erfolgreichsten Autoren unserer Zeit, sondern auch einer der modernsten Mönche unserer Zeit. Bildquelle: © Erol Gurian" width="696" height="465" srcset="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Pater-Anselm-Querformat-1024x684.jpg 1024w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Pater-Anselm-Querformat-300x200.jpg 300w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Pater-Anselm-Querformat-768x513.jpg 768w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Pater-Anselm-Querformat-696x465.jpg 696w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Pater-Anselm-Querformat.jpg 1068w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Pater-Anselm-Querformat-629x420.jpg 629w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Pater-Anselm-Querformat-600x401.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 696px) 100vw, 696px" /></a><figcaption id="caption-attachment-35424" class="wp-caption-text">Pater Anselm Grün ist nicht nur einer der erfolgreichsten Autoren unserer Zeit, sondern auch einer der modernsten Mönche unserer Zeit. Bildquelle: © Erol Gurian</figcaption></figure>
<h2>Sie selbst sind 74 Jahre alt. Sie haben über 300 Bücher geschrieben, Sie halten als Referent ungefähr 200 Vorträge im Jahr im In- und Ausland. Wie schaffen Sie das?</h2>
<p>Erst mal, indem ich eins nach dem anderen mache. Ich setze mich nicht unter Druck, sondern lass&#8217; mich ein auf das, was ich gerade tue. Schreiben ist für mich keine Arbeit, das macht einfach Spaß und ist immer eine Zeit, wo sich für mich etwas klärt. Gestern habe ich einen Vortrag in Thüringen in der Nähe von Schleitz gehalten und die Leute waren sehr dankbar. Die Kirche war seit zwei Wochen ausverkauft. Das war für die Menschen ganz neu, weil es im Osten nicht so viel kirchliches Leben gibt. Es gibt ja auch Energie, wenn man spürt, dass das, was ich sage, bei den Menschen ankommt. Eine geistige Quelle ist der Heilige Geist, das ist eine innere Quelle, aus der ich schöpfen kann.</p>
<h2>Sie benutzen intensiv die sozialen Medien. Die Menschen können Sie direkt anschreiben, wenn sie Kontakt suchen. Wie bringen Sie das in Einklang mit Ihrem Leben als Mönch?</h2>
<p>Die sozialen Medien bediene ich höchstens eine halbe Stunde am Tag, am Vormittag während meiner Arbeitszeit. Am Abend in meiner Klosterzelle habe ich keine sozialen Medien und beantworte ich keine E-Mails. Da bin ich geschützt. Wenn ich abends einen Vortrag habe, komme ich nachts wieder zurück. Heute Nacht bin ich um zwölf Uhr heimgekommen und um sechs Uhr stehe ich wieder auf, damit ich um halb sieben beim Gottesdienst dabei sein kann. Das ist für mich ganz wichtig. Ich sorge gut auch für mich selber. Gerade wenn man viel arbeitet, ist es gut, für sich selber zu sorgen. Ich fühle mich nie gestresst. Gut, manchmal ist der Verkehr nervig, ich fahre ja selber mit dem Auto nachts wieder zurück.</p>
<h2>Sie sind offen für viele Themen, wie zum Beispiel die Psychologie oder asiatische Meditationstechniken, die Sie aufnehmen in Ihre persönliche Lehre. Würden Sie sich als einen modernen Mönch bezeichnen?</h2>
<p>Nicht unbedingt, eher als einen offenen Mönch. Modern ist, als würde ich mich anpassen. In meiner Sprache passe ich mich nicht an, aber ich bin offen und ich versuche natürlich im Gespräch zu sein mit den Menschen und auf ihre Sehnsüchte zu hören. Insofern bin ich in Berührung mit dem modernen Menschen. Modern ist aber mehr ein Schlagwort.</p>
<p>Es ist mir wichtig, auf die Menschen zu hören und ihnen nicht als der Besserwisser Ratschläge zu geben, sondern zu ergründen, wie ich selber in der Situation damit umgehen würde. Es ist wichtig, am Puls der Zeit zu sein. Und der Dialog mit der Theologie war immer der Dialog mit der Philosophie und heute ist die Psychologie ein wichtiger Teil auch der Philosophie. Geistiges Leben hat immer auch mit der Psyche des Menschen zu tun und mit der Frage, was ist gesund machend am Glauben? Es gibt aber auch Formen des Glaubens, die krankmachen und die Menschen ängstigen. Ich trete für einen Glauben ein, wo ich meine ganze Wirklichkeit anschauen kann und diese in Beziehung zu Gott bringe.</p>
<h2>Bei dem Vortrag gestern in Ostdeutschland, waren dort mehr ältere oder junge Menschen?</h2>
<p>Sowohl als auch. Die jungen Menschen beschäftigte das Thema Angst und Unsicherheit. Was soll ich tun? Was gibt meinem Leben Sinn? Wo finde ich mich selber in den vielen Angeboten, aus denen ich wählen kann? Heute ist das Thema Veränderung sehr wichtig. Die Menschen setzen sich selbst unter Druck, sich ständig zu verändern. Die Psychologie spricht vom erschöpften Selbst. Viele Menschen sind vor lauter Selbstoptimierung erschöpft.</p>
<p>Die christliche Antwort ist Wandel und nicht Veränderung. Veränderung ist etwas Aggressives, ich muss ein anderer Mensch werden. Beim Wandel dagegen darf alles sein, ist es gut so, wie es ist, aber ich bin noch nicht die oder der, der ich von meinem Wesen her sein könnte. Verwandlung ist mehr, man selbst zu werden. Das sind wichtige Fragen auch für Jugendliche.</p>
<figure id="attachment_35428" aria-describedby="caption-attachment-35428" style="width: 696px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Anselm-Gruen-Terry-Tan-de-Hao-Unsplash.com_.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class=" td-modal-image wp-image-35428 size-large" src="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Anselm-Gruen-Terry-Tan-de-Hao-Unsplash.com_-1024x683.jpg" alt="Den richtigen Moment nicht verpassen und Loslassen, das wünscht sich Pater Anselm Grün. Bildquelle: © Terry Tan de HaoUnsplash.com" width="696" height="464" srcset="https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Anselm-Gruen-Terry-Tan-de-Hao-Unsplash.com_-1024x683.jpg 1024w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Anselm-Gruen-Terry-Tan-de-Hao-Unsplash.com_-300x200.jpg 300w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Anselm-Gruen-Terry-Tan-de-Hao-Unsplash.com_-768x512.jpg 768w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Anselm-Gruen-Terry-Tan-de-Hao-Unsplash.com_-696x464.jpg 696w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Anselm-Gruen-Terry-Tan-de-Hao-Unsplash.com_-1068x713.jpg 1068w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Anselm-Gruen-Terry-Tan-de-Hao-Unsplash.com_-630x420.jpg 630w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Anselm-Gruen-Terry-Tan-de-Hao-Unsplash.com_.jpg 1920w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Anselm-Gruen-Terry-Tan-de-Hao-Unsplash.com_-1320x881.jpg 1320w, https://www.59plus.de/wp-content/uploads/2018/11/Anselm-Gruen-Terry-Tan-de-Hao-Unsplash.com_-600x400.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 696px) 100vw, 696px" /></a><figcaption id="caption-attachment-35428" class="wp-caption-text">Den richtigen Moment nicht verpassen und Loslassen, das wünscht sich Pater Anselm Grün. Bildquelle: © Terry Tan de HaoUnsplash.com</figcaption></figure>
<h2>Sie haben schon so viel erlebt und viele Verwandlungen durchgemacht. Wohin wird Sie Ihre Reise noch bringen? Haben Sie da für sich selber eine Vorstellung?</h2>
<p>Für mich ist wichtig im Alter &#8211; ich weiß ja nicht, wie lange ich lebe &#8211; dass ich einfach durchlässig bin für Gott und für den Geist Jesu und mein Ego zurücknehme und offen bin für das, was Gott von mir will. Da höre ich auf beide, die Sehnsüchte der Menschen, aber auch indem ich meditiere, was Gott von mir will. Und irgendwann wird es vielleicht auch Zeit aufzuhören mit den äußeren Dingen, aber das werde ich tun, solange es mir Spaß macht und das Gefühl stimmt. Ich möchte da sensibel bleiben und nicht den Zeitpunkt verpassen, um loszulassen.</p>
<h2>Was möchten Sie den Lesern von 59plus zum Abschluss noch mitgeben?</h2>
<p>Gerade den älteren Menschen möchte ich mitgeben, dass sie keine Angst vor dem Alter zu haben brauchen. Wir sind ja jetzt im Herbst und gerade im Herbst ist die Zeit der Ernte. Jeder Mensch kann im Alter schauen, was durch ihn gewachsen ist und andere nährt. Und der Herbst ist die Zeit der milden Farben. Die Blätter und die Herbstsonne haben eine milde Farbe. Das ist auch wichtig, die Altersmilde und die Altersweisheit: Werde gerne älter und schaue auf die eigenen Chancen. Es geht darum, zum Segen für andere zu werden.</p>
<p>Herzlichen Dank für das Gespräch!</p>
<p><strong>Möchten Sie mit Pater Anselm lernen besser für sich und andere zu sorgen? Dann buchen Sie jetzt direkt einen Online-Kurs bei <a href="http://www.sinnsucher.de">Sinnsucher.de</a> und profitieren Sie als 59plus Leser/in von unserem exklusiven Rabattangebot. Anmelden können Sie sich gleich <a href="https://www.sinnsucher.de/kurs/entspannter-durchs-leben?utm_source=website_59plus&amp;utm_medium=website&amp;utm_campaign=affiliate_59plus&amp;utm_term=behrendt">hier</a>! Geben Sie bei der Buchung unseren Promotionscode &#8220;pateranselm59plus&#8221; ein und erhalten direkt den 20%-igen Rabatt. Wir wünschen Ihnen viel Spaß!</strong></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.59plus.de/anselm-gruen-es-ist-wichtig-auf-sich-selbst-zu-hoeren/">Anselm Grün: „Es ist wichtig, auf sich selbst zu hören“</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.59plus.de">59plus</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
